24. März 2007

Menschen in Neukölln Teil 6

Ich werfe hier jetzt einen ganzen Schwung neuer Einträge hin, so lange, bis ich keine Lust mehr habe, zu schreiben. Das sind die gesammelten seltsamen Situationen aus den letzten drei Jahren, die ich noch nicht erzählt habe. Denn es geht mir gerade gut (ich bin meinen grässlichen Büro- Chef losgeworden, unfreiwillig und finanziell bedenklich, aber dafür ein cholerischer Ausnahmezustand weniger in meinem Leben) und ich habe Lust, was zu schreiben. Kommt ja auch nicht jeden Tag vor..!
Als ich schon vor langen Monaten beim bereits erwähnten und gerühmten Penny am Hermannplatz mal wieder einzukaufen pflegte, erlebte ich folgende Begebenheit:
Es war Samstagnachmittag. Da ist es nicht nur voll, sondern da erscheinen bevorzugt alle seltsamen, d.h. vor allem unangenehm riechenden und auch eher abschreckend anzusehenden Menschen Neuköllns im Supermarkt meiner Wahl. Vielleicht sollte man mal ein Foto von denen machen und das als riesiges Plakat in einer Anti- Drogen- Kampagne bringen, das wäre bestimmt sehr effektiv.
Ich stand also in der Schlange an der Kasse, auf meinem Arm den gewohnten Berg Lebensmittel (sowas wie Milch, Saft, Gemüse, Olivenöl..und Schokolade natürlich.) Vor mir in der Schlange stand eine Frau, etwa vierzig Jahre alt. Ich fürchte, ich kenne die meisten Alkis, Drogis etc. in Neukölln inzwischen vom Sehen, weil die sich ja sehr viel draußen auf- und sehr viel sehr auffällig verhalten. Nun ja, und die Dame vor mir, ziemlich hager, mit strähnigen Haaren und sonst nicht weiter auffällig hatte einen völlig anderen Einkauf auf das Laufband gelegt. Drei Flaschen vom billigsten Korn und eine Flasche Toilettenreiniger, was für mich eindeutig nach einem Alibi- Einkauf aussah. Also, der Reiniger, nicht der Korn. Sie war extrem fahrig und nervös, hantierte die ganze mit Portemonnaie und Geld, nestelte an ihrer Kleidung. Das ist schon ziemlich heftiger Entzug, dachte ich so bei mir. Als sie an der Reihe war, viel ihr dann ihr Kleingeld herunter und langsam sammelte sie die ganzen Münzen vom Boden auf, um zu bezahlen. Aber schließlich verließ die Frau mit ihren Flaschen den Supermarkt und ich war an der Reihe. Die Kassiererin, eine nette, gemütliche, mit breitem norddeutsdchen Einschlag blickte der Kundin sehr gedankenvoll hinterher und stellte ganz bedächtig fest: "Johah, ich sach ja immer, keein Bieer vor vier, neech!"
Das hat meinen Nachmittag dann doch noch aufgehellt.

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