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18. Oktober 2008

Hoi zäme!

Fremdsprachen können zahlt sich ja immer aus. Deswegen fahre ich Montag für eine Woche in die Schweiz. (Nicht, dass es irgendjemandem auffiele, wenn ich mich drei Monate in Lappland aufhielte..! Was jetzt ja wahrscheinlich auch Samland oder so heisst, aber für Verifizierungen ist es zu spät und meine dämliche Erkältung zu weit fortgeschritten.)

Vielleicht kann ich ja meine Schweizerdeutsch-Kenntnisse erweitern, zur Not durch wiederholtes Anschauen von Sprachlernvideos..oder so ähnlich. Auf jeden Fall werde ich die momentane Lage der schweizer Schokoladen-Produktion ausloten und dann (äh.) live berichten.

Was ich garantiert nicht tun werde, ist, mich mit dem ZVV, d. i. der Zürcher Verkehrsverbund anlegen, das würde nämlich bestimmt sehr kompliziert werden. Jedenfalls, wenn man das untige Video als Beispiel herannimmt, wobei man dem schweizer Nahverkehr, bzw. dem Schaffhauser speziell (Ich will hier keine Gerüchte in die Welt setzen, vielleicht sind in der restlichen Schweiz die Bedingungen ja anders.) nicht vorwerfen kann, wenn er nicht jede Art von Tier befördert.

Vom strengen Tonfall der Straßenbahnfahrer mal ganz abgesehen. Aber die sind vielleicht in einem gemeinsamen Verein mit den Berliner Busfahrern, wo sie sich über neue durch-sarkastische-und-boshafte-Bemerkungen-Überraschungs-Methoden austauschen und diese dann geschickt im Arbeitsalltag zur Kundenverwirrung einsetzen.

Jedenfalls ist aus dieser ungewöhnlichen Transportabsicht ein ganz wundervolles, schönes, hintersinniges und sehr schweizerisches Kunstwerk entstanden, das ich unbedingt ausgiebig zu geniessen empfehle:


Der Conny ihr Pony from robert pohle on Vimeo.

Bis dahin wünsche ich gutes Wetter, üppige Gehaltsabrechnungen und liebestolle Anrufe um drei Uhr nachts, je nach Wunsch und Charakter. Und dass meine Erkältung akut den Rückzug antritt.

5. November 2007

Kennen Sie Elfen persönlich?

Ich bin ein großer Fan von Island.

Weil es dort eine außergewöhnliche Landschaft gibt, fertig gefüllte Badewannen in freier Natur (naja, Geysire und - wie ich soeben gelesen habe - tatsächlich massenhaft Thermalbäder unter freiem Himmel!) (Ha!), tolle Musiker (Björk), tolle Schriftsteller (Halldór Laxness) (z.B.) und tolles Essen (Fisch in rauhen Mengen). Wenn man sich dann mal die sauer eingelegten Schafhoden wegdenkt.

Bezogen auf die Einwohnerzahl von Island müssen verhältnismäßig viele Isländer Künstler sein, denn die Leute da treten sich ja nun nicht gerade gegenseitig auf die Füsse. Sie haben 2006 die 300.000er Grenze überschritten. Da hat ja Schleswig-Holstein mehr Einwohner.

Anthropologen und Biologen schreien Hurra wenn sie Island hören, weil die Isländer über Jahrhunderte nur untereinander geheiratet haben, und ihre Gene daher eine so ursprüngliche Struktur besitzen, dass man an ihnen gut die Entwicklung von Erbkrankheiten usw. untersuchen kann. Und Pferdezüchter schreien auch Hurra, aus dem gleichen Grund, aber auf Island-Pferde bezogen. Leider ist es auch entsetzlich teuer und sehr weit weg, (was es ja noch reizvoller macht) weshalb ich noch nicht da war. Und insgesamt gelten die Isländer als sehr nett und ein bisschen verschroben. So viel ich weiß.

Und es gibt Elfen.

Was wohl ein Grund ist, weshalb man die Isländer allgemein für sehr nett und ein bisschen veschroben hält. Ich finde es, im Sinne der Verschrobenheit, sehr liebenswert, dass die isländische Regierung eine Beauftragte ernannt hat, die allein für Elfen zuständig ist. Obwohl das schon wirklich ziemlich verschroben ist. Die Isländer verstehen auf dem Gebiet wohl auch gar nicht so viel Spaß und nehmen das mit den Elfen also eher ernst. Ich habe vor einigen Monaten (Die Zeit, Stimmt's? von Christoph Dröscher. Datum leider momentan verschollen) einen Artikel gelesen, wo es geheißen hat, bestimmte Straßen, die durch Gebiet führen, das traditionell dafür bekannt ist, den Elfen zu gehören, können erst gebaut werden, wenn man entsprechend mit den Elfen verhandelt hat. Ich bekomme dann gleich Assoziationen an den skandinavischen Weihnachtsnisse, dem man ein Schälchen Milch hinstellt, damit er auch im nächsten Jahr das Haus bewacht und Geschenke für die Kinder bringt. *Hust*. Ob das bei Elfen so ähnlich geht?
Tomte, so sein Name in Schweden und Finnland, ist übrigens eine weitere wunderbare Kindheitserinnerung, die noch in meinem Hinterkopf schlummert.

Auf jeden Fall gibt es hier ein Foto, wo man ein Modell einer Sandkiste für Elfenkinder bewundern kann. (!!) Natürlich ist das keine echte Elfensandkiste, denn die sind ja unsichtbar. Ausserdem gibt es zu noch weiteren Fotos aus Island aktuelle Geschichten und Informationen über Island, sehr nett anzusehen.

UND: Der Wikipedia-Eintrag zu Elfen behauptet, die Geschichte mit der Elfenbeauftragten wäre ausgedacht und von einem Deutschen (!) aufgebracht worden! Ts. (Da seh ich gar nicht ein! Da glaub ich jetzt einfach nicht dran. Phhh.)

Kurios ist vor allem daran, dass die Fotostrecke in der "Zeit" genau jene Elfenbeauftragte Erla Stefánsdóttir nennt als Urheberin der Beschreibung dieser Elfenkindersandkiste. Und der Autor schreibt, er hätte sich mit ihr unterhalten. Tsts. Dann müßte die Beauftragte ja mindestens den Autoren angelogen haben. Oder der Autor ist völlig in der isländischen Mythologie aufgegangen. Oder, was ich ja ehrlich gesagt vermute, die Isländer fanden die Idee so gut, dass sie umgehend eine Beauftragte ernannt haben. Der Einfachheit halber gleich die, die auch in dem ursprünglichen Artikel von 1995 genannt wurde. Oder die Wikipedia hat Unrecht. Bäh.

30. Oktober 2007

Aber Herr Direktor, ich bin doch nur ein Abenteuer für Sie !


Link: sevenload.com

Gestern ist traurigerweise die wunderbare Evelyn Hamann gestorben, eine der lebhaftesten
Interpretatorinnen der wahren Seele der Deutschen. Ich liebe Loriot, und ich liebe Evelyn Hamann. Sie hat uns gezeigt, wie stoisch und störrisch wir durch unser Leben stolpern, immer
auf der Suche nach denselben Fehlern. Und dabei hat sie uns bewiesen, als wie viel einfacher dieses Leben sich herausstellt, wenn wir etwas Selbstironie aufbringen und zumindest hinterher über uns lachen können. 
Mich hat immer begeistert, mit was für einer Ernsthaftigkeit die beiden haben uns glaubhaft machen können, dass die Menschen die sie verkörpert haben, vollkommen von ihrem Tun überzeugt waren. Und gerade Evelyn Hamann war eine Schauspielerin, die so völlig in ihren Rollen aufgehen konnte, dass man sie mitunter kaum wieder erkannte. Das lag natürlich auch an geschickter Maske, aber trotzdem zeigte sie uns meisterhaft, dass es eigentlich die kleinen Ticks und Eigenheiten sind, die einen Charakter unverwechselbar und liebenswert machen. Und das ist das, was mich an ihr am meisten beeindruckt hat: Dass sie es verstand, an jeder ihrer Figuren sympathische ebenso wie unsympathische oder versponnene Seiten hervorzuheben und uns uns selbst wiedererkennen liess. Farewell, Evelyn! 

An dieser Stelle einer meiner Lieblings- Sketche (der Filmgeschichte!) mit Evelyn Hamann und Loriot: "Liebe im Büro".

21. Oktober 2007

Lifted (Pixar) - They are coming...


Link: sevenload.com


Edit: Noch mal gucken! Dies ist ein Auftrag! 
Hier jetzt mit dem richtigen Ton, der ist nämlich maßgeblich für den Witz des Films!!

Watch and cry :)
Seid gewarnt, da ist ganz grausige Musik druntergelegt! Ton besser aus machen, ansonsten gibts
den Originalton auch hier, wo ich den Film gefunden habe. Es gab bei You tube wohl ein Problem
mit Copyright- Verletzung, daher habe ich mich nicht getraut, den Originalfilm selber hochzuladen.
Macht aber viiiiel Spaß, hehe.

30. Mai 2007

aufgehübschte Linkliste

 


Abgesehen von dem obigen, wiedermal vollkommen willkürlich gewählten Foto, habe ich endlich mal wieder einige Links ergänzt. Dabei habe ich mich großzügig in der Blogroll der Madame K. bedient, deren Aufrufe ich maßlos dadurch in die Höhe getrieben habe, dass ich immer über ihre Seite gegangen bin, um mich mit Neuigkeiten von anderen Blogs zu versorgen(und ihrem, selbstverständlich). Weil ich das nicht länger verantworten kann (welch fürchterliche Gedanke, quasi gefälschte Benutzerzahlen! Darüber hat es -Stichwort Blogine- unter einigen rosa Damen der Bloggerinnenszene ja eine ausgiebige Diskussion gegeben...) und außerdem Madame K. um ihre erlesene Blogroll beneide, habe ich jetzt also zur Selbsthilfe gegriffen. Bei dieser erschöpfenden, mich von meiner Steuererklärung abhaltenden (naja, Nachts um eins macht man auch keine Steuererklärung mehr) Tätigkeit stieß auf ein sehr amüsantes geschriebenes und mir bisher unbekanntes Blog, nämlich das von Merlix, der unter anderem über seine Herzdame (so heißt auch das Blog), das zukünftige gemeinsame Kind (ich glaube, unter Bloggern macht sich die Panik vor dem demographischen Wandel breit- überall kriegen sie Kinder) und vor allem über einen Erstkontakt mit einer Anästhesistin bloggt. Und das wiederum mußte ich natürlich sofort verlinken, damit es der Hausarzt, welcher ja ebenfalls Anästhesist ist, lesen kann und damit Ihr, liebe Leser, es ebenfalls lesen könnt. Falls Ihr es nicht schon getan habt, weil dieser Blogger nämlich auch öffentlich liest, und womöglich habe ich ihn schon mal gesehen oder gehört bei einer der schönen, immer sehr stimmungsvollen, Berliner Bloglesungen.
So, und jetzt gehe ich ins Bett,in echt. Und damit das klar ist: nicht so schnell lesen, das muss jetzt vorhalten, bis ich das nächste Mal Lust bekomme und Zeit habe (das wird dauern, ein neuer Job harrt nämlich meiner..!) was zu schreiben, und geschrieben habe ich heute ja schließlich einiges. Es wünscht sich eine gut durchträumte Nacht
Frau Feli.
P.S.
Dieses spaßige Graffito (gegen das Unterholz im Leben! Der Zusammenhang mit der Hinrichtung Saddam Husseins ist mir grad erst klar geworden. Wie makaber, ohoh.) befand sich an einer Hauswand in Lissabon, von mir gleich am ersten Tag gefunden. Da waren wir noch dabei, völlig wirr in beliebigen Stadtteilen herumzulaufen und uns über diese unglaubliche Steigung und die damit kombinierten Außentemperaturen zu wundern.
P.P.S.
Das Link zu Stil in Berlin stammt allerdings nicht von K., sondern von der reizenden Katjusha, welche baldigst Berlin mit ihrer Anwesenheit verschönern wird- gleichzeitig mit dem Hausarzt, worauf ich mich schon sehr freue.

29. Mai 2007

Noch mehr Mai





Hier folgen noch zwei Fotos, die inhaltlich rein gar nichts miteinander zu tun haben, die sind einfach hintereinander
gespeichert. Das eine ist natürlich! noch aus Kreuzberg, ein überaus gelungenes Wallpaper, wie ich finde. Wenn es auch ein bisschen an diesen ganzen seltsamen Emily- Kram erinnert, den man so kaufen kann bzw. kaufen soll, was auch der Grund ist, weshalb ich es seltsam finde. Egal. Trotzdem toll.
Das andere zeigt natürlich den Hausarzt bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Unsinn machen und damit Frau Feli verwirren. In diesem Fall hat er im heimischen (heidelbergischen) Supermarkt das Herz einer Plüschfigur gewonnen bzw sie seins (wer weiß das schon?) und mußte mit ihr Walzer tanzen. Es folgt ein Foto von Erna. Erna ist orange und Schildkröte. Wir haben sie aus dem allseits beliebten blau- gelben Möbelhaus adoptiert, wo ich an der Kasse eine denkwürdige Unterhaltung mit ihr hatte. Denkwürdig, weil rings um uns lauter andere Kunden (darunter viele Eltern, die müßten doch abgehärtet sein)schwer beeindruckt zugeguckt haben.

23. April 2007

Gute Laune erwünscht?

Ich habe mich hier jetzt mal durchgeklickt, um dieses ausgemacht coole Video posten zu können. Überhaupt, endlich mal wieder. Poah, abgesehen von dem Musikvideogruppengehopse (was auch nett aussieht), sogar ein paar Sachen, die an Tanztheater erinnern. Wo sie auf der Seite liegend herumgetragen wird und dabei zu laufen scheint- säähr cool, Baby. Und ein mitreißendes Lied. Auch nicht unwichtig, wie?! Und krasse Schuhe hat sie an, die Frau Feist. Ich fange an, einen veritablen Schuhtick zu entwickeln. Sagt Frau Feli.

Ach, und gefunden hab ichs bei der genialen Zuckerfischin, wo es Lebensweisheiten zum Thema Internet gibt, von denen ich mir eine gewaltige Scheibe abschneiden kann. Und bemerkenswerte Kommentare dazu. Sagt Frau Feli immer noch.

4. Januar 2007

Heute schon verführt worden?!


Diese sensationelle Postkarte durfte ich auf einer sehr gewieften Website basteln, auf der man unter anderem mittels einem Psychotest seine Qualitäten als VerführerIn einschätzen lassen kann. Eine weitere Karte ging natürlich an meinen Liebsten (Jaaa! Es gibt ihn! Und er ist der größte aller vorstellbaren Schätze!Er ist - 
einfach unglaublich.)und ich habe auch den Psychotest gemacht, wo man seine 
Fähigkeiten als VerführerIn beurteilen lassen kann, obwohl der geliebte N. da ja
viel genauere Auskunft geben können müsste. Das Design stufe ich
hiermit wieder mal unter der Kategorie "verehrungswürdig" ein, was vor allem
die zum Test erhältlichen "Handbücher" (lasst Euch überraschen) betrifft. Die Einstufung ist, was mich angeht, nicht mal ganz weit ab vom Schuß. Auf der Startseite darf man den Pfeil nach rechts nicht übersehen und sich nicht 
ablenken lassen durch die etwas nüchterne begrünte Aussicht und dann findet man viel 
hinreißenden Spielkram :). Sagt Frau Feli.

22. November 2006

Borat: Es sind immer die Anderen

Ich habe mich jetzt dazu entschlossen zu versuchen, die Diskussionen, die wir in den letzten Wochen über Freundchen Sacha Noam Baron Cohen und seine Auftritte hatten, in einem Eintrag wiederzugeben. Oder so. Ich glaube nicht, dass sich das Thema annähernd gut so kurz zusammenfassen lässt, aber mich beschäftigen die verschiedenen Standpunkte schon sehr.
Die meisten Leute, die ich kenne (Deutsche, größtenteils Akademiker) fanden den Film total klasse. Weil Borat versucht, durch die Klischees, die er selbst entweder zu haben oder zu verkörpern scheint, die Vorurteile anderer, in diesem Fall von Amerikanern, aufzudecken. Die
meisten von Euch werden mich persönlich kennen, denke ich, und daher wissen, dass ich den Film zumindest sehr zwiespältig finde. Ich denke schon, dass Cohen erreicht hat, was er wollte. Aber auf welchem Wege und um welchen Preis, und vor allem: bei welchen Leuten?

Ich will mich auf keinen Fall als Moralapostel aufspielen und ich bin auch der Meinung, dass absolut jeder Vorurteile über irgendwas oder gegenüber irgendwem hat und dass sich das auch kaum vermeiden lässt, was aber keine Entschuldigung sein soll, sich damit nicht auseinandersetzen zu müssen. Ich schreibe zurzeit eine Hausarbeit, die sich mit dem Wesen und dem Ursprung von Humor beschäftigt, und ich denke, dass Humor oft durchaus auf einer gewissen Boshaftigkeit basiert. In den netteren Fällen ist das ja auch mit Zuneigung gemischt. Wenn Humor eine öffentliche Form bekommt, geht es fast immer um Polarisierung und eine klischeehafte Überzeichnung von -oft oberflächlichen – Vorstellungen. Das an sich finde ich auch gar nicht schlimm, denn Humor dient, als soziales Phänomen gesehen, auch als Katalysator, Blitzableiter und ausgleichendes Element. Und ich gebe Cohen und seiner Figur durchaus recht: durch die drastische Überzeichnung von Vorurteilen kann man den unreflektierten Umgang mit ihnen hinterfragen. Natürlich haben die betreffenden Gruppen (seien sie Minderheiten oder auch nicht) selbst das größte Recht, sich über sich selbst lustig zu machen. Der Komiker selbst stammt aus einer teils jüdischen Familie und ist gläubiger Jude.
Natürlich ist es das Recht jeden Einzelnen, sich über seine eigene Religion, Partei, Geschlechtszugehörigkeit etc. lustig zu machen. –Und unter Umständen darf man auch über die Anderen lästern :) . Ich finde aber an dem Film so problematisch, dass Leute als Zielscheibe für Klischees herhalten mussten, ohne vorher die Situation wirklich abschätzen zu können. Und das haben einige von ihnen offenbar auch selbst so empfunden. Was ich bisher der Presse entnommen habe, waren die Gegenüber Borats, mit Ausnahme von Pamela Anderson, vorher nur zum Teil eingeweiht worden. Den Punkt getroffen hat die Satire für mich an den Stellen, wo Borat seine Gesprächspartner bloss anzuticken brauchte, damit sie voller Begeisterung ihre Verunglimpfungen abspulten. Um die hat mir es dann auch nicht so wahnsinnig Leid getan. Zum Beispiel um diesen grässlichen Haufen Stundenten. Sie haben sich für mich schon dadurch disqualifiziert, dass sie eine Klage gegen Cohen und die Produzentenfirma angestrengt haben- und zwar nicht, weil ihnen ihre rassistischen und sexistischen Bemerkungen peinlich waren, sondern weil sie betrunken und beim Ansehen eines Sexvideos gezeigt wurden. Was ja auch viel verachtenswerter ist als ihre Äußerungen. Auf den Fotos der obigen Website lassen die jungen Herren sich mit den verschiedensten Trinkgefäßen bewundern, die wahrscheinlich eine breite Auswahl zurzeit auf dem Markt verfügbarer Fruchtsäfte enthielten. Oder?

Man sollte sich doch, bei allem, was man egal wo und unter welchen Umständen äußert, klar sein, dass der Gesprächspartner möglicherweise gute Ohren und ein gutes Gedächtnis hat, und die Äußerung sich unter Umständen rächen konnte. Was ich auch der Äußerung nicht übel nehme. Ich glaube allerdings nicht, dass das ein allein amerikanisches Phänomen ist, sondern man wird ähnliche Vorurteile in jedem Land -oder auch jeder Region, immer gegenüber den "Anderen", die zahlenmäßig unterlegen sind- antreffen. Und insoweit finde ich es auch gut, wenn solche Stereotypen hinterfragt und parodiert werden. Denn von selbst werden die betreffenden Leute (die mit den Stereotypen) wahrscheinlich nicht anfangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Meine Zweifel betreffen also in erster Linie die Leute, die quasi als Demonstrationsobjekte für Klischees herhalten mussten. Besonders das jüdische Ehepaar hatte mein Mitgefühl. Ich fand es grausam, das ein ja ganz liebevoll um seine Gäste besorgtes älteres Paar nun ausgerechnet und vor allem unfreiwillig zeigen sollte, was für idiotische Vorurteile wir doch oft noch haben. Sei es nun gegenüber den Speisevorschriften anderer Religionen (Koscher?! Schmeckt man das raus?), gegenüber nationalen Minderheiten (Im dänischen Grenzgebiet, wo ich aufgewachsen bin, sind viele Leute fest davon überzeugt, dass man Dänen das Autofahren verbieten müsste.) oder sonst irgendeiner Form von "Anderssein" als man selbst (Ich, als Linkshänder, bin schon mehrfach gefragt worden, ob man dann meine Schrift überhaupt lesen könne, weil Linkshänder ja immer so eine schlechte Handschrift hätten. Jaa, auch das ist ein Vorurteil, meine Lieben.) . Vorurteile an sich sind beklagenswert, wie bereits erläutert, aber man kann ja niemanden ohne sein Wissen dazu veranlassen, an deren Ausräumung mitzuwirken. Schon gar nicht in so drastischer Form.
Eine weitere Frage, die ich mir gestellt habe, war, wer denn eigentlich den Film guckt. Sind das tatsächlich die Leute, die Borat aufs Korn nehmen will? Ich glaube, das Klientel für den Film sind eher diejenigen, die sowieso tendenziell reflektiert denken und reden, und nicht die, die vielleicht hinterfragen sollten, was ihnen so alles über die Lippen kommt. Und selbst wenn einige, bei denen es mit der Reflexion –oder vor allem mit dem Hineinversetzen in Mitmenschen- nicht so weit her ist, „Borat“ ansehen, wie nehmen sie den Film auf? Ich habe nämlich den Verdacht, dass die die Ironie gar nicht erst wahrnehmen und den Film einfach ganz direkt als Lächerlichmachung aller möglichen Minderheiten betrachten und das alles für einen großen Schenkelklopfer halten.
Darüber hinaus kann ich mit Fäkalhumor überhaupt nichts anfangen. Das mag sein, dass die Vermeidung von derartigen Themen im angloamerikanischen Raum auf uns oft doch ziemlich
verkrampft wirkt(und das also eine großartige Zielscheibe bietet). Und ich habe dazu auch eher eine pragmatische Haltung, aber das war für mich doch die Schallgrenze. In welchem Land sind Fäkalien nicht verpönt?! Das hat ja auch ganz praktischen Sinn, von wegen Infektionsgefahr usw. Ein Artikel, der sich u.a. mit dieser Frage beschäftigt, ist einer meiner Lieblingszeitung.
Welche Borat übrigens auch liebt. Und hier noch eine Reihe Fotos zeigt, zur Gedächtnisauffrischung. Dieser Artikel stammt von einer Gruppe kasachischer Studenten in Deutschland. Sie gehören einer Studentenvereinigung an, die Kasachstan als Land in Deutschland bekannter machen will. Die Einwände kann ich zum Teil gut verstehen, zum Teil finde ich ihre Haltung aber auch sehr konservativ. Ich (als Deutsche, das ist bestimmt auch noch mal anders als in vielen anderen Ländern) kann mir schwer vorstellen, mein Vaterland und seine Flagge zu lieben und unsere Bundeskanzlerin oder den Bundespräsidenten zu verehren. Hu, nee. Ich gebe auch zu, dass ich über Borats Reaktion, welche ich dank der bewundernswert fiesen Titanic gefunden habe, still in mich hinein gelacht habe. (Ich war nämlich im Büro.)
Herzlich danke ich Frau K. , die mir die Links zur Netzeitung geschickt hat.

Also, liebe Leser, was denkt Ihr?
Ein Nachtrag ist mir grad noch eingefallen: Wen klischeehafte Äußerungen interessieren, die sich nach meinem und Frau K.s Eindruck im Deutschen schon sehr festgesetzt haben, sollte vielleicht noch einen Blick in unser Phrasikon werfen. Leider gibts sowas inzwischen auch schon als Buch und leider haben wir nicht die Rechte daran.

14. August 2006

Neukölln Teil 3- Menschen fragen, Frau Feli antwortet (neuer Titel!)

Neulich am Herrmanplatz (der, wie der gewiefte Leser weiß, ein unerschöpflicher Quell der Weisheit ist- meiner Weisheit vor allem.) fand ich ein neues Graffito, in Form eines Anschlags. Also, ich meine, eines aus Papier. Nichts für ungut. Und auf dem stand geschrieben: "Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg."
Ich war hingerissen. Hab ich sofort fotografiert. Leider nicht mit der tollen Digitalkamera, die mir ein lieber Freund vor geraumer Zeit mal geliehen -und auch zurückbekommen- hat. Also kein Foto. Aber, hihi, ist das nicht hübsch? Offenbar,
wie man als klug kombinierender Kunsthistoriker feststellen kann, waren hier nicht die bereits erwähnten Autoren aus Friedrichshain am Werk, der Schriftzug war nämlich ohne Apostroph geschrieben. Sympathisch. Bin derselben Meinung. Uns allen eine schöne, geruhsame, ertragreiche Woche! Sagt Frau Feli. Schon wieder.