Posts mit dem Label Menschen in Neukölln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Menschen in Neukölln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

5. April 2009

Menschen in Neukölln Teil 15 (fast) (also fast in Neukölln, mein ich)

Neulich in der U-Bahn hörte ich, wie sich zwei Frauen unterhielten. Über die X, die jetzt ja auch schwanger sei.

Frau 1: Also, ein bisschen gewundert hab ich mich ja schon.

Frau 2: ?

Frau 1: Weil die X mich fragte, ob ich ihr beim Schuhe zubinden helfen könnte. Sie hätte solche Mühe damit, jetzt, wo sie schwanger ist.

Frau 2: ??

Frau 1: Na, man sieht ihren Bauch ja noch nicht mal.


Ich: (schnell aussteigen, draussen weiterlachen)

25. Januar 2009

Menschen in Neukölln Teil 14


Gestern abend, mal wieder auf dem Heimweg. Hastig durch die klamme Kälte eilend, schlängelte ich mich an einem Pärchen vorbei, dass trotz des ungemütlichen* Wetters schlendernd in eine Unterhaltung vertieft war. Ich hätte glatt -kennen wa doch- an das hier einzusetzende südeuropäische Lieblingsland denken mögen.

Das Pärchen, wenn es denn eins war, kannte sich wohl noch nicht so lange, denn so sagte

er zu ihr:

"Aber machst du Filme nicht auch, um Selbstbestätigung zu bekommen?"
(...)

Die Unterhaltung setzte sich nicht weiter ungewöhnlich fort, zurück blieb (bzw. voraus eilte, mir war nämlich wirklich kalt) eine
verwirrte Frau Feli. Ein Abend in Neukölln, und was sieht man? Studenten, ausländische Touristen, aufstrebende Jungunternehmer mit wirren Frisuren, Menschen in lila Pullundern und Chucks mit Schachbrettmuster. Alkis, junge Unholde jeglicher Couleur auf Ärger aus herumstrolchend, Kranke, Arme und Vergessene, where art thou?!

Sie sind schon noch da, und wo sollten sie sonst auch hin. Aber sie bekommen ein gewisses Gegengewicht aus unerwarteter Richtung. Die Richtung ist Nordost. Mitte, wenn nicht Prenzlauer Berg. Wem Kreuzberg zu teuer wird, der kommt hierher. Ob ich das gut finde? Ja, so lange die Mieten nicht so sehr steigen, dass ich - und die Vergessenen- sie nicht mehr zahlen kann. Natürlich ist es nett, wenn das Straßenbild bunter wird und plötzlich um die Ecke vietnamesische Nudelküche und hübsche kleine Cafés mit alten Sofas eröffnen. Aber nicht so nett ist es, wenn man von Nachbarn hört, dass die bisherigen Bewohner aus den alten Wohnungen vertrieben werden, damit das Haus in eine elegante Eigentumswohnungsplantage verwandelt wird.
Es müßte doch möglich sein, alle unter einen Hut zu bekommen, Alkis und Unternehmer. Oder so.


*Eine Neuseeländerin verkündete mir einmal, dass "ungemütliches Wetter" eine ihrer liebsten deutschen Redewendungen sei, weil ihr einfach keine passendere Beschreibung für Berliner Winterwetter einfiele. Hm. Wie habe ich das zu verstehen? Wahrscheinlich gibt es in Neuseeland zu selten ungemütliches Wetter. Und wenn, dann vermeidet man wahrscheinlich, das Haus die nächsten paar Tage zu verlassen. Es sei denn, man will unbedingt den Roaring Fourties trotzen. Dem blanken Hans würde ich als native Küstenbewohner wohl sagen.

10. Januar 2009

Das alte Jahr ist tot, es lebe das neue Jahr!



Oben die Dokumentation einer vorweihnachtlichen Kuchenschlacht. So gut. Wir sind so lange geblieben, dass wir vom Besitzer des Cafés schließlich Sekt ausgegeben bekamen.

Zugenommen oder abgenommen?

Ha. Schon mal einfach zu beantworten: zugenommen. Aber meine Güte. Es könnte schlimmer sein, wird auch wieder abgenommen. Hoffe ich doch mal.

Dazu eine Geschichte (zum neuen Jahr muß es ja auch was extra geben, nich. ) Ich überquerte neulichst (beliebte norddeutsche Wortkonstruktion) mal wieder den Hermannplatz, als ich einer Unterhaltung hinter mir lauschte:

Er zu ihr: Ja, weißt du, ich finds so krass, die hat total zugenommen.
Sie zu ihm: Echt? Boah.
Er zu ihr: Die ist richtig dick geworden, die wiegt bestimmt fünf Kilo mehr oder so! Also unmöglich, die hat sich überhaupt nicht mehr im Griff.
Ich: *schluck*.
Ich hab mich dann lieber nicht umgedreht, weil mein Blick mich *sofort* entlarvt hätte.


Haare länger oder kürzer?

Äh. Uuuhh. Ich glaub, etwas kürzer. Mehr Stufen jedenfalls.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Öh. Ich hoffe, keins von beiden. Ich ignoriere aber Veränderungen immer so lange wie möglich, weil auch nur neue Gläser ja schon eine kostspielige Angelegenheit sind.

Mehr Kohle oder weniger?

Mehr. Glaub ich. Wär schön, wenn ich mehr davon merken würde. Aber ich will mich nicht beschweren, andererseits.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Bestimmt auch mehr. Alleine der ganze Renovierungsschnickschnack für das unten genannte Bett hat mich wieder mehr gekostet, als ich gedacht hätte. Aber dafür besitze ich jetzt das wunderbarste Bett der Welt, selbst abgeschliffen und lasiert in weiß und braun und soo schön.

Der hirnrissigste Plan?

Ein in seine Einzelteile zerlegtes Bett in der U-Bahn transportieren zu wollen. (Was ich klugerweise nach der ersten Fuhre aufgegeben habe.)

Die gefährlichste Unternehmung?

Wahrscheinlich der obige Transport. Oder: Einen übervollen Pappbecher mit Milchkaffee in der einen Hand, unter dem Arm eine Tüte mit Mittagsverköstigung, über dem Arm meine Handtasche, in der anderen Hand die Süßigkeiten für die werten Kollegen (ähm, und mich) sowie einen Apfel irgendwo dazwischen von der Caféteria bei der Arbeit mit dem Fahrstuhl bis in den 10. Stock transportieren zu wollen. Hat aber doch geklappt, mit nur ganz wenig kleckern.

Mehr Sport oder weniger?

Weniger. Dafür mehr schlechtes Gewissen. Ich habe mal Kampfsport gemacht. Irgendwann, in einem anderen Leben fern von hier.

Die teuerste Anschaffung?

Das silberne Wunderding: mein Macbook.

Das leckerste Essen?

Das Abendessen bei der Konfirmation meiner Nichte, gekocht und serviert vom besten italienischen Freund des italienischen Vaters selbiger Nichte in dessen Restaurant. Es gab ganz klassische italienische Küche, Anti pasti, einen Pasta-Gang, Saltimbocca und Putenroulade (bzw das italienische Äquivalent) und Tirami su zum Nachtisch. An sich nicht ausgefallen, aber *sagenhaft gut, geradezu in die Knie zwingend überwältigend gut gekocht*, dass ich nur noch dumpfe Laute des Wohlbefindens von mir geben konnte.

Das beeindruckendste Buch?

Poah. Ihr machts einem aber nicht leicht. Ein sehr tolles, erst kürzlich gelesen: Margret Atwood, Katzenauge. Und weil ich mich nie auf nur ein tolles Buch beschränken könnte und ich viele gelesene Bücher grad nicht im Kopf habe: Carson McCullers, Gesammelte Erzählungen. Isabel Allende, Mein erfundenes Land. Und das ist jetzt Zufall, dass das lauter Bücher von Frauen sind. Hier noch ein Mann: Andrea de Carlo, Guru.

Das enttäuschendste Buch?

Da fällt mir wenig ein, aber zum Beispiel: John Updike, Sucht mein Angesicht. Ich fands langweilig, selbstgefällig, unglaubwürdig, voraussehbar. Kurz: doof.

Der ergreifendste Film?

Hmmm. Ich kann mich zur Zeit sehr für skandinavische Filme begeistern, und wenn sie skurril sind, dann sowieso. Oft jedenfalls. Also: Das jüngste Gewitter, Håkan Angser.

Die beste CD?

Seit es sich eingebürgert hat, Musik über das Internet zu erwerben, kaufe ich leider kaum noch CDs. Und im letzten Jahr auch wenig Musik, weil nicht nur mein alter Computer sich verabschiedete, sondern auch meine 24 Jahre alte Anlage. Aber, so zum Beispiel: Paolo Conte, Paris milonga. Element of Crime, Damals hinterm Mond. Franz Ferdinand, gleichnamiges Album.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

..Arbeit, ..Lesen, ..Freunden. Ähm, und vor dem Computer.

Die schönste Zeit verbracht mit… ?

Mit Freunden, ..mit Büchern, ..mit meinem Patenkind.

Vorherrschendes Gefühl 2008?

Langsames, of mühseliges und zähes Voranschreiten.

2008 zum ersten Mal getan?

Meine Stiefschwester beim Gebet überrascht.

2008 nach langer Zeit wieder getan?

Schwimmen gewesen, und danach dann gleich wieder lange nicht mehr. Ausrede: Die Schwimmhalle wird zur Zeit renoviert. So richtig in Urlaub gefahren, nach Barcelona.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

1.Immer noch keinen Abschluss zu haben, 2. meinen Kontostand, 3. auf das Gefühl, am falschen Ort zu sein.

Die wichtigste Sache, von der Du jemanden überzeugen wolltest?

Kauf Dir bitte, bitte nicht dieses Kleid. (Es lag am Kleid, aber ganz klar!)

Das schönste Geschenk, das Du jemandem gemacht hast?

Eine Oktoberfestbarbie. Und für mich war das abseitigste Geschenk das ich mindestens in den letzten *zehn Jahren* gemacht habe.

Das schönste Geschenk, das Dir jemand gemacht hat?

Uneingeschränkte Liebe. „Du bist der allerliebste Mensch, den ich kenne.“ Kein Mann. Mein Patenkind.

Der folgenreichste Satz, den jemand zu Dir gesagt hat?

Die Entscheidung liegt bei Ihnen.

Der folgenreichste Satz, den Du zu jemandem gesagt hast?

Ich werd versuchen, ob ich diese Monster-Puppe irgendwo bekomme.

2008 war mit 1 Wort…?

Viel.

Vorsätze für 2009?

Da das Jahr sich jetzt schon als ein wahrscheinlich noch volleres abzeichnet: Weniger unter Druck setzen, mehr durchatmen, aber auch mehr anpacken.

30. November 2008

Katzen, die man mag

weitere Fotos von FrauFeli



Dies ist quasi ein Test-Post, weil ich hinreissender Weise herausbekommen habe, wie man die Fotos aus meinem Fotoblog (naja, ein Account, dass nicht Flickr heisst) auf meinen normalen Blog bekommen kann. Ha. Endlich.


Oben könnt Ihr die meines Wissens am dümmsten guckende Katze Berlins bewundern. Ein Kater. Und weil er so dumm guckt, finde ich ihn sehr sehr niedlich. Und was ist die Konsequenz? Die Feststellung, dass ich wieder eine Katze haben möchte. Obwohl ich nichts gegen eine intelligenter guckende Katze einzuwenden hätte. Und gegen eine, die ein bisschen weniger überzüchtet aussieht. Aber er ist so süß. Ach. Dazu müßte ich umziehen. Am besten in die verehrungswürdige Wohnung, die der kleine graue Kater (Pekka heißt er) in den Sommerferien bewohnt hat, bis sein Besitzer wieder zurück aus dem Urlaub war. Die Wohnung enthielt unter anderem Dielen, hohe Wände, drei Zimmer, einen Balkon (der um die Ecke ging!) eine großartige Begrünung (Hallo, Realität! Feli und Pflanzen?! Nun ja.) und eine idyllische Aussicht, die an Hinterhöfe in Italien (Lieblings-südeuropäisches Land bitte einsetzen) denken ließ. Ach. Und noch mal ach.

27. August 2008

Menschen in Neukölln Teil 11

Neulich war ich mal wieder auf dem Weg zur U-Bahn. Viele von meinen Geschichten ereignen sich auf dem Weg von und zur U-Bahn, im U-Bahnhof selbst, auf dem Platz davor, d.h. dem Hermannplatz in meinem Fall. Man könnte also sagen: Die U-Bahn ist das zweite Zuhause des Berliners. Und viele Menschen verhalten sich dort auch so, im positiven wie im negativen Sinn, und meistens eher im negativen.

In diesem Fall schlängelte ich mich durch die vielen Leute, die auf dem Wochenmarkt, der mehrmals wöchentlich auf dem Hermannplatz stattfindet, einkauften. Aufgrund der quasi wogenden Menschenmassen blieb direkt vor den Augen eines Blumenverkäufers zwischen den Einkaufsrollern stecken.

"Hier sehen noch einje Leute so aus, als ob sie Blumn mit nach Hause nehm werdn!!"

kurze Pause

"Blumn braucht doch jeda! Vitamine füre Seele."


Das hat mir den Tag erhellt. Auch ohne Blumen.




(Muss immer noch sparen. Die großen Sträuße bitte in der Fahrschule abgeben.)

29. Juli 2008

Das Ding aus einer anderen Welt:
Menschen (oder so) in Neukölln Teil 10

Neulich abend war ich auf dem Nachhauseweg.

Ich lief hinter einer Gruppe englischsprechender Leute (Neukölln wird immer schicker. Selbst um 22.00 noch sowohl nüchterne als auch zurechnungsfähige Menschen auf den Straßen.) her. Plötzlich schrie eine der Frauen auf.
Sie war auf einen Tintenfisch getreten, der soeben von oben auf das Pflaster geklatscht war.


Es war kein kleiner Tintenfisch.



20. Juli 2008

..Ich will einfach nur hier sitzen..!! Menschen in Neukölln Teil 9

Liebe Freunde des weltweiten Webs,

ich glaube, ich wandere aus. Nach Timbuktu. Weil ich ja bei allem wovon ich nicht weiß, wo es ist (was eine Menge ist), Timbuktu sage. Nicht immer nur reden, machen. Oder gleich nach Island, da ist es nicht so heiss und es gibt mehr Elfen. Vielleicht helfen die auch beim laute Nachbarn ärgern.

Nebenan gibt es nämlich eine Party, bei meinen neuen Nachbarn. Die sind sichtlich junge Studenten, ein Pärchen(also, heute abend sind es sehr viel mehr als zwei), und spielen die wilde elektronische Musik. Nirvana auch, aber die haben sie ziemlich schnell ausgemacht. Jetzt ist es grad so angejazztes Crossover. Was mir eventuell sogar gefallen würde, wenn ich nur das Haus verlassen müsste, um ihm zu lauschen. Neben dem Kopfende meines höchsteigenen Bettes verstehe ich aber wenig Spaß. Ich habe auch noch einen sehr leichten Schlaf. Und das ist schlimmer geworden in den letzten Jahren. Neulich habe ich mir eine Schlafmaske gekauft, zu hell ist es jetzt auch schon. Das Alter. Ächz.

Ich hätte ein schlechtes Gewissen, jetzt gleich was zu sagen, Samstags um zwölf. Eben habe ich das Fenster zum Hof (wer den Film und die älteren Postings dieses Blogs kennt, der weiß: Die Namensgleichheit kann kein Zufall sein..)geöffnet. Also, Fenster geöffnet, Schall wallte mir in großen Wellen entgegen. Alle feiern. Bei offenen Fenstern. Ich glaube, ich sollte vielleicht der Ergänzung halber wunderlich werden.

Ich habe den Abend gemütlich am Telefon und Computer verbracht, wollte noch ein bisschen Zeitung lesen und dann ins Bett gehen. Alle andern scheinen das für eine doofe Idee zu halten. Soweit ich es hören kann.

Vor etwa zwei Monaten konnte ich Nachts nicht schlafen, weil es draußen miaut hat. Das waren keine Katzen, das waren Menschen. Die hatten Sex. Auf dem Dach, wie es klang. Ich bin mir ganz sicher, weil Katzen nicht "Oh mein Gott" zwischendrin schreien können.

Ich könnte hier jetzt ein schickes kleines Ad einbinden, dass für die Segnungen von Ohropax wirbt. Oder anderen Ohrstöpseln. Für die würd ich aber echt Werbung machen. Ich habe mich schon gefragt, ob die Ohrstöpselherstelllungsverantwortlichen wirklich wirklich wissen, dass sie mir schon quasi das Leben (und mich vor dem Irrsinn) gerettet haben, weil ich mich mittels Totalabdichtung vor der Aussenwelt verbarrikadieren kann. Unglaublich. Nur gerade jetzt, wo ich mich eigentlich unverstöpselt durch ein paar interessante Blogs klicken wollte, fühle ich mich etwas bedrängt.

Zur Veranschaulichung: Meine Nachbarin hat heute nachmittag geniest. Ich bin zusammengezuckt.

Ich will einfach nur hier sitzen...

30. August 2007

Menschen in Neukölln Teil 8

Ich kam gestern sehr müde von einer ausgiebigen Stadtführung zurück und hatte gerade die letzten Stufen des U-Bahn-Ausgangs auf den Hermannplatz erklommen, als ich zweier Menschen ansichtig wurde. Einer sehr dicken, großen Frau, die ich natürlich auch schon häufiger gesehen hatte und eines sehr dünnen großen Mannes, offenbar ihr Partner/Mann/Freund. Beide waren ärmlich gekleidet und wirkten ziemlich ungepflegt.
Und während ich im Halbschlaf vorüber schlurfe (ich hatte in der U-Bahn leider geschlafen), höre ich wie er zu ihr sagt:
Du nimmst doch so viel Tabletten, da brauchst du gar nicht so viel zu essen.

Hm. Irgendwo muß man ja anfangen mit dem Sparen.

2. Juli 2007

Menschen in Neukölln Teil 7

Neulich stand ich im heimischen Karstadt auf der Rolltreppe und fuhr bergauf, auf dem Weg aus der Lebensmittelabteilung Richtung Tageslicht. Im Hinterland der Lebensmittelabteilung gibt es auch einen sogenannten "Schnäppchenmarkt". Von meinem Rolltreppenplatz aus beobachtete ich einen (Ex-)Punker- Papa mit Punker- Sohn, wie sie sich halbherzig durch hässliche Restware wühlten. Die beiden muß man sich so vorstellen: Papa etwa dreißig, sehr sehr hager, kurzgeschorene blonde Haare, ganz in schwarz gekleidet mit den obligatorischen schweren Stiefeln. Sohn etwa acht, auch kurze blonde Haare, aber länger als Papa und kunstvoll zerwühlt, ebenfalls in schwarz, wobei die Hose mit Schnallen und Bändern besonders auffiel. Als ich die Rolltreppe gerade betreten hatte, hörten sie mit Wühlen auf und fuhren ebenfalls ins obere Stockwerk.
Papa (versonnen) zu Sohn, ach, hab ich Dir das eigentlich schon erzählt..als ich so alt war wie Du, sind wir immer zu Karstadt gegangen, weil wir die vielen Sachen so toll gefunden haben. Da haben wir dann oft Süßigkeiten oder Spielsachen geklaut und haben uns so Mutproben gestellt und so.
Hmm. Dachte ich so bei mir. Wollte der seinen Sohn jetzt beeindrucken oder war das als abschreckendes Beispiel gedacht?

24. März 2007

Menschen in Neukölln Teil 6

Ich werfe hier jetzt einen ganzen Schwung neuer Einträge hin, so lange, bis ich keine Lust mehr habe, zu schreiben. Das sind die gesammelten seltsamen Situationen aus den letzten drei Jahren, die ich noch nicht erzählt habe. Denn es geht mir gerade gut (ich bin meinen grässlichen Büro- Chef losgeworden, unfreiwillig und finanziell bedenklich, aber dafür ein cholerischer Ausnahmezustand weniger in meinem Leben) und ich habe Lust, was zu schreiben. Kommt ja auch nicht jeden Tag vor..!
Als ich schon vor langen Monaten beim bereits erwähnten und gerühmten Penny am Hermannplatz mal wieder einzukaufen pflegte, erlebte ich folgende Begebenheit:
Es war Samstagnachmittag. Da ist es nicht nur voll, sondern da erscheinen bevorzugt alle seltsamen, d.h. vor allem unangenehm riechenden und auch eher abschreckend anzusehenden Menschen Neuköllns im Supermarkt meiner Wahl. Vielleicht sollte man mal ein Foto von denen machen und das als riesiges Plakat in einer Anti- Drogen- Kampagne bringen, das wäre bestimmt sehr effektiv.
Ich stand also in der Schlange an der Kasse, auf meinem Arm den gewohnten Berg Lebensmittel (sowas wie Milch, Saft, Gemüse, Olivenöl..und Schokolade natürlich.) Vor mir in der Schlange stand eine Frau, etwa vierzig Jahre alt. Ich fürchte, ich kenne die meisten Alkis, Drogis etc. in Neukölln inzwischen vom Sehen, weil die sich ja sehr viel draußen auf- und sehr viel sehr auffällig verhalten. Nun ja, und die Dame vor mir, ziemlich hager, mit strähnigen Haaren und sonst nicht weiter auffällig hatte einen völlig anderen Einkauf auf das Laufband gelegt. Drei Flaschen vom billigsten Korn und eine Flasche Toilettenreiniger, was für mich eindeutig nach einem Alibi- Einkauf aussah. Also, der Reiniger, nicht der Korn. Sie war extrem fahrig und nervös, hantierte die ganze mit Portemonnaie und Geld, nestelte an ihrer Kleidung. Das ist schon ziemlich heftiger Entzug, dachte ich so bei mir. Als sie an der Reihe war, viel ihr dann ihr Kleingeld herunter und langsam sammelte sie die ganzen Münzen vom Boden auf, um zu bezahlen. Aber schließlich verließ die Frau mit ihren Flaschen den Supermarkt und ich war an der Reihe. Die Kassiererin, eine nette, gemütliche, mit breitem norddeutsdchen Einschlag blickte der Kundin sehr gedankenvoll hinterher und stellte ganz bedächtig fest: "Johah, ich sach ja immer, keein Bieer vor vier, neech!"
Das hat meinen Nachmittag dann doch noch aufgehellt.

Neukölln Teil 5- Menschen fragen, Frau Feli antwortet

Also, vorneweg: in Neukölln fragt, glaub ich, keiner. Deswegen sind die Leute ja hier, sozusagen. Die sind -viele von ihnen- an einem Punkt angekommen, da stellt man keine Fragen mehr. Die Neuköllner machen zum großen Teil einen sehr desillusionierten Eindruck. Wer hier fragt, das sind Touristen, die wissen wollen, wie man ins nicht nur wilde sondern auch malerische Kreuzberg kommt. Oder gleich nach Mitte.
Und als Illustration der heutige Eintrag, obwohl ich vielleicht noch betonen sollte, dass ich normalerweise auch gerade hier sehr spaßige Situationen erlebe. Die sind dann aber oft ähnlich wie folgende:
Ich kam gestern abend an meiner favorisierten Apotheke am Hermannplatz vorbei, in deren Tür ich eines Zettels gewahr wurde (!): "Die Spritzen sind heute leider ausverkauft." Hm. So ein Mist. Muss ich die Schokolade wieder auf dem üblichen Wege zu mir nehmen. Aber das haben die anderen Leute wahrscheinlich nicht gedacht, oder?
Die K. berichtet ähnliches aus ihrem Leben. Sagt Frau Feli.

6. Dezember 2006

Mehr Lesen! Und: Menschen in Neukölln Teil 4

Dieser Eintrag wird sich ganz banal darum drehen, dass ich meine Blogroll bzw. meine Linkliste ergänzt habe. Das war nötig, weil es einfach keinen vernünftigen Grund gibt warum ich Sites, die ich sowieso sehr oft lese und nach Neuem durchstöbere, hier nicht verlinken soll. Dazu gehört die von mir überaus bewunderte Madame Wurzeltod , die mir durch Katjuscha (siehe die Links links ;) ) nahegelegt wurde. Das Design ihrer Site finde ich überwältigend und, was meinen persönlichen Internet- Horizont angeht, einzigartig. Ein faszinierende Mischung aus skurrilem Humor, konsequenter Graphik und sagenhaften Fotografien, um mal mit Adjektiven um sich zu werfen. Und was mich schon alleine begeistert, dass Madame W. Edward Gorey einen eigenen Bereich ihrer Homepage gewidmet hat. Das ist ein britischer amerikanischer! (gemäß Hinweis von eben jener Madame W.)
Illustrator, den ich kenne, weil er die Kurzgeschichten von Kipling und Saki bebildert und ihnen damit eine sehr eigenartige und leicht morbide Note verliehen hat. Toll. Eine Saki- Ausgabe vom Zürcher Diogenes- Verlag hat es mir vor Jahren mal sehr angetan. Der hat, glaube ich, dann auch Goreys Zeichnungen für eine ganze Reihe anderer Krimis der etwas schwärzeren Sorte verwendet.

Neu ist auch der Link zum Gegenblog zu meiner Nicht-Lieblingszeitung, den ich bei k.s corner fand und sofort begann, ihn regelmäßig zu lesen. Zu oft darf ich das aber nicht machen, weil ich dann zu sehr ins Grübeln über eben jene Zeitung und ihre niederträchtigen Absichten komme. Und das Design haben sie auch noch aufgeschickt (was mich ein wenig an das Original erinnert und nicht unbedingt mein Geschmack ist), also= angepasst.
Außerdem, und völlig unpassend zu den obigen Themen, aber für mich nicht ganz unwichtig:
Ich war beim Friseur! Seit Sommer hatte ich einen schrägen Pony und ansonsten leicht stufig geschnittene Haare, etwa schulterlang. Das habe ich jetzt ein bisschen geändert..ein Relaunch, sozusagen. Mit Hilfe eines sehr netten Friseurs. Kurz: ich sehe jetzt aus wie Edna Mode aus den "Incredibles". Fast. (Hee, jetzt nehmt mich nicht zu ernst! Über meine Friusr lästern darf nur ich!) Nur ohne die Augenringe und jünger. Und meine Brille ist ein kleines bisschen anders geschnitten. Aber trotzdem, ich mache mir ja jetzt Gedanken, dass das zu streng aussehen könnte. Wo mir doch neulich in der Schlange in der Bank ein seltsamer Mensch mitgeteilt hat, ich würde ja eine "Männerabstecherbrille" (!!) tragen und sollte mir doch dringend eine andere zulegen. Ts. Da hab ich aber schon sehr drüber lachen müssen. Das wird unter "Menschen in Neukölln Teil IV" verbucht. Bei der nächsten Gelegenheit folgt ein Beweisfoto. Von Edna gibts hier schon mal eins. Ich glaube ja, dass sie eine Art Zitat auf Coco Chanel sein soll, schließlich ist Edna ja ebenfalls Designerin, vom Aussehen mal abgesehen.
Sagt Frau Feli.

14. August 2006

Neukölln Teil 3- Menschen fragen, Frau Feli antwortet (neuer Titel!)

Neulich am Herrmanplatz (der, wie der gewiefte Leser weiß, ein unerschöpflicher Quell der Weisheit ist- meiner Weisheit vor allem.) fand ich ein neues Graffito, in Form eines Anschlags. Also, ich meine, eines aus Papier. Nichts für ungut. Und auf dem stand geschrieben: "Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg."
Ich war hingerissen. Hab ich sofort fotografiert. Leider nicht mit der tollen Digitalkamera, die mir ein lieber Freund vor geraumer Zeit mal geliehen -und auch zurückbekommen- hat. Also kein Foto. Aber, hihi, ist das nicht hübsch? Offenbar,
wie man als klug kombinierender Kunsthistoriker feststellen kann, waren hier nicht die bereits erwähnten Autoren aus Friedrichshain am Werk, der Schriftzug war nämlich ohne Apostroph geschrieben. Sympathisch. Bin derselben Meinung. Uns allen eine schöne, geruhsame, ertragreiche Woche! Sagt Frau Feli. Schon wieder.

3. März 2006

Menschen in Neukölln, Teil 2

Neulich vor Penny, gegen 18.32:
(Zwei Ex- Punks, beide um die vierzig und extrem alkoholisiert)
Alki 1: "Ey weeßte, lass ma bei Penny guckn, vielleicht ham die Scampi!"
Alki 2: "Wat willste?!"

Alki 1: "Ey, Scampi, isste sowat?"
Alki 2: "Wat isn ditte?? Weeß ich nich."

Alki 1: "Scampi, kennste dit nich? Dat is so Fisch."
Alki 2: "Scampi? Ey, keene Ahnung wat Du wieda willst."

Sagt Frau Feli.

28. Februar 2006

Menschen in Neukölln -Teil 1

Also hier folgt nun der viel be- und versprochene Blutrunst- Eintrag. Wer sich hinterher über Ekel oder Grusel beschweren möchte, kann sich gerne an meinen sympathischen NACHBARN wenden! Wobei ich allerdings nicht weiß, wo sich dieser zur Zeit aufhält.
An Silvester steht die geneigte HausFrau Feli in der Küche und bereitet Verpflegung für lange Feierstunden mit und bei lieben Menschen, als es völlig ausserplanmäßig an der TÜR klingelt. Niemand klingelt ausserplanmäßig an meiner Tür. In Neukölln macht niemand spontane Besuche. Höchstens Werbeblatteinwerfer und die klingeln nich so drängelig. Draußen auf dem Flur meiner vierter-Stock-Hinterhaus-Wohnnung steht ein sehr betrunkener Mensch, der offenbar schon seit langer Zeit heruntergekommen aussieht. Er sieht nicht nur so aus, sondern riecht und klingt auch so. Mein NACHBAR. Den kenn ich schon. Die Stimme. Die Stimme hat in wärmeren Tagen mal morgens um drei Gott gefragt (sehr laut)(im Innenhof), warum der ihn nicht in seine Wohnung reinlässt. Und die Stimme hat bei anderer Gelegenheit zur selben Uhrzeit in denselben Innenhof gekotzt. Mit durchdringender Stimme jammert er, ich solle ihm doch bittebitte diese Flasche (Prosecco, Korken abgebrochen) aufmachen. ("Ham sie n Korkenzieher? Sie mühüssen doch n Korkenzieher ham!!Heuheute is doch Sihilvester!") Brauchter gar nicht so weinen. Ich bin so überrumpelt, dass ich kommentarlos mit Flasche in Hand in Küche zurückwanke und Korken, abgebrochen, entferne. Dabei denk ich so hm, komisch, da is ja Rotwein dran. Is doch Weißwein. Gibts roten Prosecco??! Bis dann in meinem Hirn sich der Gedanke breit macht, dass das natürlich Blut ist. Der Flaschenhals rund um den kaputten Korken ist nämlich abgeschlagen. Als ob ers mit nem Hammer versucht hätte. Hatter wohl auch. Und ist dabei abgerutscht. Und ich seh, dass seine Linke voller Blut ist, als ich die Flasche zurückgebe. Die Tür hatte ich übrigens zugemacht, während ich in der Küche war. Nich, dass der einem noch von Rückwärts um den Hals fällt.("Is ja Sihilvester heute!") Der NACHBAR bedankt sich überschwenglich. Im Anschluß an dieses Intermezzo feiere ich arglos ausserhäusig und im Freundeskreis Silvester. Am Montagnachmittag bin ich bei einer Freundin eingeladen. Beim Verlassen des Hauses bin ich angeekelt von Blutspuren an Türklinken, Wänden, Fenstern und auf der Treppe und denke, da hat dieser widerliche Kerl doch schon wieder seine Flasche nicht aufgekriegt und tropft noch den ganzen Hausflur voll. Bäh. Am Dienstagabend schließlich erwarte ich den Besuch eines Freundes. Natürlich fällt mir eine Dreiviertelstunde vorher ein, dass ich irgendein wichtiges Lebensmittel unbedingt noch besorgen muß. Ich stürze also los, in der Hoffnung, vor dem Freund wieder da zu sein. Im durch-den Hausflur-stürzen stelle ich verärgert fest, dass die Blutspuren immer noch da sind, inzwischen angetrocknet. Ich schicke innerlich diverse Plagen Richtung der Hausmeisterin, welche das Treppenhaus gelegentlich putzt, immer mit Kommentaren garniert, für was alles sie ja gar nicht zuständig sei. Was eine ganze Menge zu sein scheint. Schließlich kehre ich zurück, mit übervoller Tasche auf der Schulter, da mir natürlich noch ungefähr sieben andere wichtige Lebensmittel eingefallen sind, die ich ebenfalls unbedingt brauchte. Ich will- zur Eingangstür Richtung Hinterhof hineinstürzen- geht aber nicht. Innen steht ein Mensch mit einem Klemmblock und beguckt sich interessiert die ebenfalls blutverklebte Türklinke des Haupteingangs. Ich denk -Ha! Der ist von der Hausverwaltung! Endlich nimmt jemand zur Kenntnis, wie schlecht die Tante putzt, die kriegt was zu hören! und komm in den Flur und sag zu ihm -quasi im Konversatiosnton- "ja, eklig, nich'? Und da sagt der Mensch in sehr beziehungsreichem Tonfall zu mir "Wohnen sie hier?" Und ich sag jaja, na klar und will anheben, dass ja schon seit drei Tagen...! Und da sagt der
"Guten Tag, Kriminalpolizei!" und ich steh da wie vom Donner gerührt und sag eehhh,Moment. Und schnappe nach Luft. Und der fragt mich, wo ich genau wohn und ob mir was aufgefallen wär. Und ich schnappe und schnappe und versuche zwischendurch die Geschichte vom ekligen Nachbarn loszuwerden, da guckt der Mensch sehr geduldig und sagt, gehn sie erstmal hoch, die stehen da schon und denen können sies noch mal erzählen. Und ich -immer noch schnappend- durch den verschneiten Hinterhof und zur Hinterhofhaustür wieder rein und die verklebte Treppe hoch. Im Stock unter meiner Wohnung steht die Tür vom ekligen NACHBARN weit offen (aufgebrochen, von Polizei) und davor eine Frau mit nochm Klemmblock und sagt schon wieder "Guten Tag, wohnen sie hier?" und ich bin jetzt am Schnappen von den Stufen und den Einkäufen und immer noch dem Schreck und sag jaja und ich hab grad mit ihrem Kollegen gesprochen. Und dann sagt sie, es hätte einen Mordversuch gegeben. Ich bin so durcheinander, dass ich vergess zu fragen wer denn an wem und außerdem versuch ich mein verqueres Zeitgedächtnis in Ordnung zu bringen und das der Frau mit Klemmblock zu verklickern, nämlich, dass ich weder kriminell noch debil bin und dabei mir kommt alles vor, als ob gleich ganz dringend einer kommen müßte und sagen, neenee, junge Frau, sone Szene spielt man ganz anders. Kommt aber nicht. Statt dessen die Fotografin vonner Kripo die Treppe hoch und mir wird immer beklommener und blasser um die Nase zumute und zum Schluß versucht die Kommissarin einen Witz und sagt mit aufmunterdem Grinsen "schliessen sie ihre Tür gut ab" und ich sag jaha, sie sind gut. Inzwischen hat der längst eingetroffene Freund längst mein Handy gefragt, wo ich denn eigentlich stecke und er stünde bei mir vor der Tür. Ich rufe ihn rauf und er erzählt, dass der Mensch im Eingang ihm gleich die Mütze vom Kopf befohlen hat, auch wohl, weil der Freund teilweise asiatischer Abstammung ist und die Kripo in Neukölln dann gleich denkt, aha,kriminell, oder wasweißich. Komisch. Ich hätt locker sonstwas begehen können, hätt mir niemand zugetraut und halb Neukölln wär schon niedergemäht. Den Rest des Abends texte ich den armen Freund zu mit meinen Bemühungen, Mordversuche in Nachbarwohnungen zu verdauen. Und am nächsten Tag im Chat gleich den damaligen Lieblingsmenschen belegt und alle anderen Freunde, Verwandte,Vaddern, Mutti angerufen: Mamaaa, hier war ein Mordversuch. IchwillnachHause!! Dahin wos grün ist und normal und still und wo, wenn, dann nur Schafe oder Kühe gewaltsam zu Tode kommen Und die tropfen auch nicht im Hausflur rum. Is übrigens noch nich alles weg.
Sagt Frau Feli.