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15. September 2010

Ein roter Milan

Wenn ich früher meine Großmutter besucht habe, bin ich oft mit ihr in den Feldern außerhalb des Dorfes spazieren gegangen.

Dabei haben wir uns meistens über das unterhalten, was um uns herum passierte, die Tiere und Pflanzen, die wir sahen. Manchmal wies meine Großmutter mich darauf hin, wenn sie einen Greifvogel am Himmel sah. Dunkle Silhouetten, die gemächlich große Kreise zogen und unvermittelt herabschossen, einer Maus hinterher jagend.
Besonders die roten Milane hatten es ihr angetan, sagte sie. Weil sie selten seien, und weil sie zwischen den anderen Vögeln sofort auffielen.

Als wir zwischen den Feldern standen und unseren Blick über die Ebene zum Horizont schweifen liessen, zeigte sie auf einen Milan, dessen Umriss sich vor dem blendenden Sommerhimmel abzeichnete:

"Wenn ich mal tot bin, und du siehst einen roten Milan, dann weißt du, dass ich das bin."

Und jetzt, jedesmal wenn ich einen Greifvogel sehe, hoffe ich, dass es ein roter Milan ist.

9. September 2010

Über Essen: Liebe und Hass, Teil 1




Der Film: "Delicatessen" von Jean Pierre Jeunet, einer meiner absoluten Favoriten.

Ich bin ja mitunter heikel, was Essen angeht. Innereien, zum Beispiel, können mich nur eingeschränkt begeistern. Da ich andererseits ein grundsätzlich neugieriger Mensch bin, probiere ich aber neue oder ungewöhnliche meistens Nahrungsmittel aus. Dass ich Herz nicht mag, entschied ich, nachdem ich in einem japanischen Grillrestaurant ausgiebig auf einem herumgekaut hatte. Es schmeckte so lebendig.

Mein Sportlehrer in der Oberstufe (klein, untersetzt) war mit einer Brasilianerin verheiratet (klein, zierlich). Beide hatten eine Tochter, die (oh, Gene!) so winzig war, dass sie wie die Puppenversion eines Kleinkindes wirkte. Gelegentlich brachte der Sportlehrer seine winzige Tochter mit zum Unterricht und legte damit jede Aktivität im Kurs lahm. Riesige Basketballspieler beugten sich fasziniert über das winzige Mädchen, das seinen Kopf in den Nacken legte, um sie anzuschauen.
Bei einem der Male brachte er eine Tüte aus Brasilien stammende, geröstete und mit Schokolade überzogene Ameisen mit. Der Reiz war einfach zu groß, ich mußte sie probieren. Es hatte den Lehrer schon einige Überzeugungskraft gekostet, bis wir ihm glaubten, dass wir echte Ameisen vor uns hatten und keinen seltsamen Faschings-Scherz. Fast war ich enttäuscht: Die Ameisen schmeckten nach nicht viel, außer nach Schokolade. Ziemlich knusprig. Aber ansonsten unspektakulär.

Ganz anders sind meine Kindheitserinnerungen an meine Großeltern. Meine Oma kochte eigentlich nicht gern, und daher auch nicht besonders gut. Sie lag lieber auf dem Sofa, las kitschige Romane und aß Unmengen Mon Chérie, After eight und Ferrero Küsschen. Die Papierchen, in die die Süßigkeiten gewickelt waren, fanden wir noch Jahrzehnte später beim Saubermachen in den Sofaritzen.
Aus Kochunlust wärmte meine Oma also Dosengemüse auf und rührte dicke Saucen mit Fertigpulver an. Das alles konnte man wahrscheinlich unter "gut bürgerlich" verbuchen, es war eben nur sehr phantasielos. Einmal war meine Oma zutiefst beleidigt, als meine Mutter eine Knoblauchzehe in den Topf mit dem Sonntagsbraten schmuggelte und das Urteil meines Opas (auf den Tisch schlagend und mit vollem Mund) daraufhin lautete: "Mensch, Frau! Schmeckt mal gar nicht schlecht!". Seine Frau mit "Frau" anzusprechen entsprach dem Humor meines Opas.
Wenn meine Oma frische Zutaten verwendete, so kamen diese aus dem Schrebergarten meiner Großeltern. Oder vom Schlachter. Der Schlachter war nämlich ein Freund meines Opas. Da mein Opa in einem anderen Zeitalter, bevor ich geboren war, Elektriker gewesen war, half er dem Schlachter-Freund mitunter mit seiner Kühlanlage. Für die inoffiziell abgewickelten Dienste wurde mein Opa in Naturalien entlohnt, was hiess, dass er völlig absurde Mengen von Fleisch jeder erdenklichen Herkunft in rosa Papier eingeschlagen überreicht bekam.

Die Besonderheit für mich bestand darin, dass ich zu diesen Ausflügen in die Schlachterei mitkommen durfte. Der Betrieb befand sich auf einem ehemaligen Bauernhof, am Stadtrand von Lübeck gelegen, und gehörte einer Familie, deren Mitglieder von der Großmutter bis zum Enkel alle irgendwie mit in die Arbeit eingebunden waren. Die Familie war sehr stolz auf ihre Schlachterei und darauf, dass sie noch selber schlachteten und alle Erzeugnisse selbst herstellten. Im Hof befand sich ein ehemaliger Schweinestall, in dem die -nunmehr toten- Schweine zu Würstchen verarbeitet wurden. Ich fürchtete mich ein bisschen vor dem flachen dunklen Bau, in dem noch leerstehende Koben zu sehen waren, von deren Decke nackte blassrosa Schweinehälften hingen.

Offenbar wurde ein Teil des Schweinefleischs eingepökelt, denn ich kann mich an Wannen aus Weißblech erinnern, die die Salzlake und die Fleischstücke enthielten. Die Wannen waren so flach, dass auch ich mit meinen sechs Jahren hinein blicken konnte. Wie gebannt starrte ich herab auf das aufgequollene Fleisch, an dem ich noch leere Augenhöhlen und haarlose Schnauzen ausmachen konnte. Gesteigert wurde mein Grusel nur durch die Schlachterin selbst, die in einer weißen Gummischürze auf mich zu kam, um sich aus ehrfurchtgebietender Größe zu mir herab zu beugen. Ihre von der Lake krebsroten Hände steckten in Gummihandschuhen, und mit der Rechten hielt sie mir ein gepökeltes Schweineohr entgegen: rosa-weißlich lappte es zwischen ihren Fingern und glänzte noch feucht.
Mit dröhnender Stimme pries sie mir diese besondere Delikatesse an, eine Ehre für mich, die ich nur geniessen durfte, da ich so einen hilfsbereiten Großvater hatte. Nie habe ich die Freundschaft meines Opas mit dem Schlachter mehr verwünscht. Ich glaube, ich bin einfach zur Salzsäule erstarrt, passender Weise.

Im nächsten Kapitel: Pferde.


Das ist ein Cliffhänger, was?





Über Essen: Liebe und Hass, Teil 1




Der Film: "Delicatessen" von Jean Pierre Jeunet, einer meiner absoluten Favoriten.

Ich bin ja mitunter heikel, was Essen angeht. Innereien, zum Beispiel, können mich nur eingeschränkt begeistern. Da ich andererseits ein grundsätzlich neugieriger Mensch bin, probiere ich aber neue oder ungewöhnliche meistens Nahrungsmittel aus. Dass ich Herz nicht mag, entschied ich, nachdem ich in einem japanischen Grillrestaurant ausgiebig auf einem herumgekaut hatte. Es schmeckte so lebendig.

Mein Sportlehrer in der Oberstufe (klein, untersetzt) war mit einer Brasilianerin verheiratet (klein, zierlich). Beide hatten eine Tochter, die (oh, Gene!) so winzig war, dass sie wie die Puppenversion eines Kleinkindes wirkte. Gelegentlich brachte der Sportlehrer seine winzige Tochter mit zum Unterricht und legte damit jede Aktivität im Kurs lahm. Riesige Basketballspieler beugten sich fasziniert über das winzige Mädchen, das seinen Kopf in den Nacken legte, um sie anzuschauen.
Bei einem der Male brachte er eine Tüte aus Brasilien stammende, geröstete und mit Schokolade überzogene Ameisen mit. Der Reiz war einfach zu groß, ich mußte sie probieren. Es hatte den Lehrer schon einige Überzeugungskraft gekostet, bis wir ihm glaubten, dass wir echte Ameisen vor uns hatten und keinen seltsamen Faschings-Scherz. Fast war ich enttäuscht: Die Ameisen schmeckten nach nicht viel, außer nach Schokolade. Ziemlich knusprig. Aber ansonsten unspektakulär.

Ganz anders sind meine Kindheitserinnerungen an meine Großeltern. Meine Oma kochte eigentlich nicht gern, und daher auch nicht besonders gut. Sie lag lieber auf dem Sofa, las kitschige Romane und aß Unmengen Mon Chérie, After eight und Ferrero Küsschen. Die Papierchen, in die die Süßigkeiten gewickelt waren, fanden wir noch Jahrzehnte später beim Saubermachen in den Sofaritzen.
Aus Kochunlust wärmte meine Oma also Dosengemüse auf und rührte dicke Saucen mit Fertigpulver an. Das alles konnte man wahrscheinlich unter "gut bürgerlich" verbuchen, es war eben nur sehr phantasielos. Einmal war meine Oma zutiefst beleidigt, als meine Mutter eine Knoblauchzehe in den Topf mit dem Sonntagsbraten schmuggelte und das Urteil meines Opas (auf den Tisch schlagend und mit vollem Mund) daraufhin lautete: "Mensch, Frau! Schmeckt mal gar nicht schlecht!". Seine Frau mit "Frau" anzusprechen entsprach dem Humor meines Opas.
Wenn meine Oma frische Zutaten verwendete, so kamen diese aus dem Schrebergarten meiner Großeltern. Oder vom Schlachter. Der Schlachter war nämlich ein Freund meines Opas. Da mein Opa in einem anderen Zeitalter, bevor ich geboren war, Elektriker gewesen war, half er dem Schlachter-Freund mitunter mit seiner Kühlanlage. Für die inoffiziell abgewickelten Dienste wurde mein Opa in Naturalien entlohnt, was hiess, dass er völlig absurde Mengen von Fleisch jeder erdenklichen Herkunft in rosa Papier eingeschlagen überreicht bekam.

Die Besonderheit für mich bestand darin, dass ich zu diesen Ausflügen in die Schlachterei mitkommen durfte. Der Betrieb befand sich auf einem ehemaligen Bauernhof, am Stadtrand von Lübeck gelegen, und gehörte einer Familie, deren Mitglieder von der Großmutter bis zum Enkel alle irgendwie mit in die Arbeit eingebunden waren. Die Familie war sehr stolz auf ihre Schlachterei und darauf, dass sie noch selber schlachteten und alle Erzeugnisse selbst herstellten. Im Hof befand sich ein ehemaliger Schweinestall, in dem die -nunmehr toten- Schweine zu Würstchen verarbeitet wurden. Ich fürchtete mich ein bisschen vor dem flachen dunklen Bau, in dem noch leerstehende Koben zu sehen waren, von deren Decke nackte blassrosa Schweinehälften hingen.

Offenbar wurde ein Teil des Schweinefleischs eingepökelt, denn ich kann mich an Wannen aus Weißblech erinnern, die die Salzlake und die Fleischstücke enthielten. Die Wannen waren so flach, dass auch ich mit meinen sechs Jahren hinein blicken konnte. Wie gebannt starrte ich herab auf das aufgequollene Fleisch, an dem ich noch leere Augenhöhlen und haarlose Schnauzen ausmachen konnte. Gesteigert wurde mein Grusel nur durch die Schlachterin selbst, die in einer weißen Gummischürze auf mich zu kam, um sich aus ehrfurchtgebietender Größe zu mir herab zu beugen. Ihre von der Lake krebsroten Hände steckten in Gummihandschuhen, und mit der Rechten hielt sie mir ein gepökeltes Schweineohr entgegen: rosa-weißlich lappte es zwischen ihren Fingern und glänzte noch feucht.
Mit dröhnender Stimme pries sie mir diese besondere Delikatesse an, eine Ehre für mich, die ich nur geniessen durfte, da ich so einen hilfsbereiten Großvater hatte. Nie habe ich die Freundschaft meines Opas mit dem Schlachter mehr verwünscht. Ich glaube, ich bin einfach zur Salzsäule erstarrt, passender Weise.

Im nächsten Kapitel: Pferde.


Das ist ein Cliffhanger, was?

4. September 2009

Die Bullerbü-Psychose

weitere Fotos von FrauFeli

Da meine Cousine mir soeben eröffnet hat, dass sie mit dem Gedanken spielt, selbst ein Blog zu schreiben, fühle ich mich hiermit zu einem neuen Eintrag inspiriert.

Wir sind schon seit unserer Kindheit befreundet und blicken daher auf eine Vielzahl erfreulicher (für uns) und unerfreulicher (für unsere Umwelt) Erfahrungen zurück. Wir sind, trotz großem geographischem Abstand, in ähnlichen Umfeldern aufgewachsen und haben häufig ähnliche Sorgen, meistens finanzieller Natur.

In unserer heutigen Unterhaltung kamen wir zu dem Schluss, dass wir unter einem schweren, wenn nicht sogar genetischen, dann auf jeden Fall seelischen Schaden leiden, der uns glauben macht, unser Leben sei nur dann perfekt, wenn es näherungsweise dem Universum des inoffiziellen Familienidols Astrid Lindgren gleiche. Zwar nahm unsere Unterhaltung einen kurzen Umweg über das Armenhaus in "Michel aus Lönneberga" (eine Schilderung, die uns heute noch zu Tränen rührt, wie wir feststellen mußten), doch waren wir uns einig, dass wir als Kinder ein Ideal eingeimpft bekamen, dass uns bis auf den heutigen Tag anhängt.

Gefühlt wohnen wir in farbig gestrichenen Holzhäusern mit Lochstickerei-Gardinen und Veranden, auf denen der blinde Großvater im Schaukelstuhl vor sich hin sinnt. (Was ja an sich schon mal zwei identische Großväter erfordert.)

Im Sommer würden wir angeln (in der Hoffnung, nichts zu fangen, da sich sonst das Problem des Fische-vom-Leben-in-den-Tod-beförderns stellen würde) oder wir jagten Onkel Einar, der Katzen Büchsen an den Schwanz bindet (Kalle Blomquist) und fürchteten uns vor Gespenstern im Waschhaus (Madita). Wie man sieht, basiert der vorhergehende Absatz auf der Annahme, dass wir selber uns noch im Kindesalter befänden. Da dies aber, äh, schon seit längerem nicht mehr der Fall ist, sollten wir das Szenario entsprechend anpassen:

Wir wären also die Muttis des Bullerbü-Kosmos (aufgrund eines kleinen Irrtums hätte ich beinahe Labyrinth geschrieben..), und würden weiße Schürzen über den gestreiften Kleidern tragen und den ganzen Tag singen. Wir würden für jeden ein gutes Wort haben und wenn wir nicht gerade Marmelade einkochen oder Fleischklösschen braten (Karlsson vom Dach), dann verarzten wir aufgeschlagene Knie und basteln mit allen Kindern zusammen am Küchentisch.

Und Weihnachten, oh, Weihnachten (typische Lindgren-Formulierung), das wäre die großartigste Zeit im Jahr. Wir stünden fast ununterbrochen in der Küche um dort die wunderbarsten Pfefferkuchen, Gans mit glasierten Kartoffeln und Reispudding in dem eine Mandel versteckt ist (Weihnachten auf Bullerbü)zuzubereiten. Und dann würden wir alle zusammen um den riesigen Christbaum tanzen.

Wir könnnten einige der heutigen Annehmlichkeiten, wie Waschmaschine und Zentralheizung geniessen und natürlich müssten die Papas sich beteiligen an den Aufgaben. Und ausserdem hätten wir eine Arbeitsstelle in der Stadt, und es gäbe wohl auch ein Auto. Natürlich auch völlig ungedenk der Tatsache, dass zumindest ich bis jetzt weder Ehemann noch Kinder vorweisen kann und ich mich also vorläufig auf den Bau und das Einrichten des kleinen blauen Hauses konzentrieren könnte (da die Möbel zu einem nicht unwesentlichen Teil aus einem großen schwedischen Möbelhaus stammen würden, wäre ich damit auch einige Zeit beschäftigt).

Die Schöpferin dieser magischen Erzählungen hatte genauso eine Büroarbeit in der Stadt und eine kleine Wohnung und einen viel prosaischeren Alltag als man vermuten möchte.

Dies alles umfasst unsere Bullerbü-Psychose, deren Problem in der Diskrepanz zwischen dem angelesenen (bzw. an-vorgelesen-bekommenen) Ideal und der rauhen Wirklichkeit einer vollen U-Bahn nachmittags um sechs liegt. Unser ganzes bisheriges Leben und auch unser ganzes zukünftiges werden wir beschäftigt sein, diese Psychose in unser Ich zu integrieren, diese Abwesenheit von weißen Holzveranden in unserem Leben. Was hätten wir ohne die Bücher von Astrid Lindgren gemacht? Wahrscheinlich wären wir heute Drogensüchtig und/oder Terroristen geworden. Oder wir hätten eine andere Psychose entwickelt.

Allerdings fällt mir dazu auch eine Passage aus den Lebenserinnungen Astrid Lindgrens, "Das entschwundene Land" ein, in der die Autorin die Liebesgeschichte ihrer Eltern beschreibt. Sinngemäß sagt sie, dass sie nur eine so wunderbare Kindheit haben konnte, weil ihre Eltern eine so positive Haltung zum Leben verkörpert haben und diese den Kindern mit auf den Weg gegeben haben.

Astrid Lindgren selber hatte kein sehr einfaches Leben, und ich glaube, das wirklich bewundernswerte ist, durch Hochs und Tiefs diese positive Grundhaltung immer wieder aufzunehmen, auch wenn sie zeitweise verloren gehen mag.

15. März 2009

Schon wieder im Café


Café II (Catherine's) from Frau Feli on Vimeo.


Endlich mal wieder ein Eintrag, und gleich mal wieder mein Blick in ein Café. Ich habe nicht meine Lieblingsorte ausgewählt, sondern mich einfach danach gerichtet, wo ich mit wenig Aufwand meine gewünschte Perspektive aufnehmen konnte: Linear, den Blick geradeaus auf den Raum gerichtet. Und diesmal auch ein bisschen länger, und mit -immerhin- fast dem ganzen Musikstück. Ähem. Ich mußte leider zum Schluss was rausschneiden, weil sich zwei Frauen ins Bild setzten, und die waren dann im Weg.

Mir gefällt das Ergebnis, weil ich in Kombination mit der lebhaften Musik an eine Puppentheateraufführung denken mußte, die ich als Kind gesehen habe. Große Holzpuppen, jede fest auf einem Wägelchen mit Rädern installiert, wurden mittels quer gespannten Schnüren auf der Bühne bewegt. Die Arme der Puppen konnten zum Gestikulieren auf und ab bewegt werden, und aus dem Off sprachen Schauspieler die Dialoge.
Insgesamt ein sehr surrealer und fremder Effekt, verstärkt durch das rumpelnde
Geräusch der Räder auf der Bühne.

11. Februar 2009

Der Clip zum Header

Neulich im Café...




nahm ich spasseshalber dieses Video mit meiner Kamera auf. Ich habe die Tonspur mit der Unterhaltung (peinlich, ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, worum es ging) (und meine Stimme klingt sowieso wie Donald Duck mit Bronchialkatarrh, aber das geht ja möglicherweise vielen so, die ihre Stimme nur von der eigenen AB-Ansage kennen) ersetzt durch Miles Davis, Ascenseur a L'echaffaud. Also, die ersten paar Takte jedenfalls, mangels Länge des Films. Aber es ist ja auch mein Erstlingswerk, hoho. Und, ehem, daher auch in entsprechend grottiger Qualität. Aber Ihr wisst schon, camp style.

Dem Video vorausgehend hatte ich einige Fotos gemacht, von denen ich meinen Favoriten gestern in tiefer Nacht in meinen neuen Header verwandelt habe. Danke an C. für die Hilfe beim html! (Und wenn mir noch jemand sagt, wie man den weißen Streifen im Header rechts entfernt..dann bin ich glücklich mit dem Ergebnis.)

10. Januar 2009

Das alte Jahr ist tot, es lebe das neue Jahr!



Oben die Dokumentation einer vorweihnachtlichen Kuchenschlacht. So gut. Wir sind so lange geblieben, dass wir vom Besitzer des Cafés schließlich Sekt ausgegeben bekamen.

Zugenommen oder abgenommen?

Ha. Schon mal einfach zu beantworten: zugenommen. Aber meine Güte. Es könnte schlimmer sein, wird auch wieder abgenommen. Hoffe ich doch mal.

Dazu eine Geschichte (zum neuen Jahr muß es ja auch was extra geben, nich. ) Ich überquerte neulichst (beliebte norddeutsche Wortkonstruktion) mal wieder den Hermannplatz, als ich einer Unterhaltung hinter mir lauschte:

Er zu ihr: Ja, weißt du, ich finds so krass, die hat total zugenommen.
Sie zu ihm: Echt? Boah.
Er zu ihr: Die ist richtig dick geworden, die wiegt bestimmt fünf Kilo mehr oder so! Also unmöglich, die hat sich überhaupt nicht mehr im Griff.
Ich: *schluck*.
Ich hab mich dann lieber nicht umgedreht, weil mein Blick mich *sofort* entlarvt hätte.


Haare länger oder kürzer?

Äh. Uuuhh. Ich glaub, etwas kürzer. Mehr Stufen jedenfalls.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Öh. Ich hoffe, keins von beiden. Ich ignoriere aber Veränderungen immer so lange wie möglich, weil auch nur neue Gläser ja schon eine kostspielige Angelegenheit sind.

Mehr Kohle oder weniger?

Mehr. Glaub ich. Wär schön, wenn ich mehr davon merken würde. Aber ich will mich nicht beschweren, andererseits.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Bestimmt auch mehr. Alleine der ganze Renovierungsschnickschnack für das unten genannte Bett hat mich wieder mehr gekostet, als ich gedacht hätte. Aber dafür besitze ich jetzt das wunderbarste Bett der Welt, selbst abgeschliffen und lasiert in weiß und braun und soo schön.

Der hirnrissigste Plan?

Ein in seine Einzelteile zerlegtes Bett in der U-Bahn transportieren zu wollen. (Was ich klugerweise nach der ersten Fuhre aufgegeben habe.)

Die gefährlichste Unternehmung?

Wahrscheinlich der obige Transport. Oder: Einen übervollen Pappbecher mit Milchkaffee in der einen Hand, unter dem Arm eine Tüte mit Mittagsverköstigung, über dem Arm meine Handtasche, in der anderen Hand die Süßigkeiten für die werten Kollegen (ähm, und mich) sowie einen Apfel irgendwo dazwischen von der Caféteria bei der Arbeit mit dem Fahrstuhl bis in den 10. Stock transportieren zu wollen. Hat aber doch geklappt, mit nur ganz wenig kleckern.

Mehr Sport oder weniger?

Weniger. Dafür mehr schlechtes Gewissen. Ich habe mal Kampfsport gemacht. Irgendwann, in einem anderen Leben fern von hier.

Die teuerste Anschaffung?

Das silberne Wunderding: mein Macbook.

Das leckerste Essen?

Das Abendessen bei der Konfirmation meiner Nichte, gekocht und serviert vom besten italienischen Freund des italienischen Vaters selbiger Nichte in dessen Restaurant. Es gab ganz klassische italienische Küche, Anti pasti, einen Pasta-Gang, Saltimbocca und Putenroulade (bzw das italienische Äquivalent) und Tirami su zum Nachtisch. An sich nicht ausgefallen, aber *sagenhaft gut, geradezu in die Knie zwingend überwältigend gut gekocht*, dass ich nur noch dumpfe Laute des Wohlbefindens von mir geben konnte.

Das beeindruckendste Buch?

Poah. Ihr machts einem aber nicht leicht. Ein sehr tolles, erst kürzlich gelesen: Margret Atwood, Katzenauge. Und weil ich mich nie auf nur ein tolles Buch beschränken könnte und ich viele gelesene Bücher grad nicht im Kopf habe: Carson McCullers, Gesammelte Erzählungen. Isabel Allende, Mein erfundenes Land. Und das ist jetzt Zufall, dass das lauter Bücher von Frauen sind. Hier noch ein Mann: Andrea de Carlo, Guru.

Das enttäuschendste Buch?

Da fällt mir wenig ein, aber zum Beispiel: John Updike, Sucht mein Angesicht. Ich fands langweilig, selbstgefällig, unglaubwürdig, voraussehbar. Kurz: doof.

Der ergreifendste Film?

Hmmm. Ich kann mich zur Zeit sehr für skandinavische Filme begeistern, und wenn sie skurril sind, dann sowieso. Oft jedenfalls. Also: Das jüngste Gewitter, Håkan Angser.

Die beste CD?

Seit es sich eingebürgert hat, Musik über das Internet zu erwerben, kaufe ich leider kaum noch CDs. Und im letzten Jahr auch wenig Musik, weil nicht nur mein alter Computer sich verabschiedete, sondern auch meine 24 Jahre alte Anlage. Aber, so zum Beispiel: Paolo Conte, Paris milonga. Element of Crime, Damals hinterm Mond. Franz Ferdinand, gleichnamiges Album.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

..Arbeit, ..Lesen, ..Freunden. Ähm, und vor dem Computer.

Die schönste Zeit verbracht mit… ?

Mit Freunden, ..mit Büchern, ..mit meinem Patenkind.

Vorherrschendes Gefühl 2008?

Langsames, of mühseliges und zähes Voranschreiten.

2008 zum ersten Mal getan?

Meine Stiefschwester beim Gebet überrascht.

2008 nach langer Zeit wieder getan?

Schwimmen gewesen, und danach dann gleich wieder lange nicht mehr. Ausrede: Die Schwimmhalle wird zur Zeit renoviert. So richtig in Urlaub gefahren, nach Barcelona.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

1.Immer noch keinen Abschluss zu haben, 2. meinen Kontostand, 3. auf das Gefühl, am falschen Ort zu sein.

Die wichtigste Sache, von der Du jemanden überzeugen wolltest?

Kauf Dir bitte, bitte nicht dieses Kleid. (Es lag am Kleid, aber ganz klar!)

Das schönste Geschenk, das Du jemandem gemacht hast?

Eine Oktoberfestbarbie. Und für mich war das abseitigste Geschenk das ich mindestens in den letzten *zehn Jahren* gemacht habe.

Das schönste Geschenk, das Dir jemand gemacht hat?

Uneingeschränkte Liebe. „Du bist der allerliebste Mensch, den ich kenne.“ Kein Mann. Mein Patenkind.

Der folgenreichste Satz, den jemand zu Dir gesagt hat?

Die Entscheidung liegt bei Ihnen.

Der folgenreichste Satz, den Du zu jemandem gesagt hast?

Ich werd versuchen, ob ich diese Monster-Puppe irgendwo bekomme.

2008 war mit 1 Wort…?

Viel.

Vorsätze für 2009?

Da das Jahr sich jetzt schon als ein wahrscheinlich noch volleres abzeichnet: Weniger unter Druck setzen, mehr durchatmen, aber auch mehr anpacken.

12. Juli 2008

99 Antworten von Frau Feli

1. Ich habe monatelang nichts in diesem Blog geschrieben, und die Gründe dafür sind so zahlreich, dass sie jeden Rahmen sprengen würden.

2. Dies ist die erste Schreibidee seit langem, die mich so gereizt hat, dass ich mich sofort an die Umsetzung gemacht habe.

3. Was mich dann wiederum mehrere Monate gekostet, hat dies zu posten. (Aus hier nicht näher benannt zu wollenden Gründen.)

4. Ich frage mich, ob es typisch ist für viele in Berlin lebende Menschen (Einschränkung: die Zugezogenen), dass sie ein mieses Zeitmanagement haben.

5. Ich frage mich,ob mir das so gut tut, in Berlin zu wohnen.

6. Die logische Schlußfolgerung wäre also: Wo könnte ich stattdessen wohnen? Mir fällt zur Zeit keine andere Stadt ein, wo man so elegant etwas nicht zu Ende bringen kann. Und es letzten Endes dann doch tut, wenn keiner mehr dran glaubt.

7. Ich habe Angst vor Spinnen, den meisten Kühen und sehr großen Hunden, aber nicht vor Pferden und Schlangen.

8. Als ich wenige Monate alt war, hat meine Mutter in das Säuglinstagebuch für den Kinderarzt geschrieben, dass ich Spinat immer ausspucken würde. Das hat sich bis heute nicht geändert. Jedenfalls nicht wesentlich.

9. Leute, die mich, ohne mich sehr sehr gut zu kennen, über meine religöse Auffassung ausfragen wollen, finde ich genauso aufdringlich wie Leute, die dasselbe über Sex tun.

10. Ich koche gern, und manchmal widerstrebt es mir, das zu erzählen, weil ich befürchte (das ist mir auch schon passiert), dass mein Gesprächspartner das normal finden könnte, weil ich eine Frau bin.

11. Ich mache gerne handwerkliche Arbeiten und finde technische Zusammenhänge interessant, und finde es ebenfalls blöd, wenn Leute sich aufgrund meines Geschlechts darüber wundern. (Andererseits möchte ich natürlich dafür Anerkennung. ;) )

12. Handwerkliche Arbeiten haben den Vorteil, dass man dabei nicht so viel denken muss.

13. Ich würde nämlich manchmal mein Hirn ganz gerne abschalten für eine gewisse Zeit.

14. Ich habe mal auf einer Fischplatte in einem edlen Restaurant eine Meeresschnecke gehabt, die so aussah, wie andere Schnecken lebendig. Leider hat sie auch so geschmeckt.

15. Ich war mal ein Kunstwerk. Ich habe bei einer Vernissage in einem Brunnen, der wie eine Badezimmerarmatur aussah, gestanden (nein, in einem Kleid) und Champagner in diesen Brunnen gegossen. Unten an dem Brunnen waren Babyflaschennuckel angebracht, aus denen man hätte trinken können. Währenddessen kamen mir Zweifel, ob die anwesenden Männer die Ironie des Kunstwerks wahrgenommen haben. Ärgerlicherweise habe ich für diesen Job kein Geld bekommen und mich auch nicht genug darum bemüht. Gastgeber war eine durchaus nicht arme Stiftung.

16. Man bekommt sehr kalte Füsse, wenn man lange in Champagner steht.

17. Das hat die anwesenden Männer nicht interessiert und auch gar nicht davon abgehalten, mir am laufenden Band versaute Anträge zu machen, die ich alles andere als erotisch fand.

18. Ich würde gerne Japanisch können.

19. Vielleicht sollte ich endlich mal Italienisch richtig lernen.

20. Ach was.

21. Mangas kann ich wunderbar vor dem Einschlafen lesen.

22. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, andere Menschen ausser mir werden diese 99 Punkte nur zu Ende lesen, wenn ich hier was über Sex schreibe. (Über kalte Champagnerfüsse hinausgehend.)

23. Ich will noch das Buch von Frau Roche lesen, schon gerade wegen der vielen negativen Kritik, die es bekommen hat.

24. Na also. Da haben wir das Thema ja wieder. Geht ganz einfach.

25. Ich wundere mich, wieso viele Leute zu erwarten scheinen, dass ein Buch, in dem es vornehmlich um Sex geht (Aha! Wieder!), anspruchsvoll sein muss. Für meine Begriffe (und nach meiner bisherigen Erfahrung als Leser) schliesst sich das schon fast gegenseitig aus. Also jedenfalls, wenn es sehr explizit wird.

26. Schlechter als "Angst vorm Fliegen" von Erica Jong oder "Ich brauche Liebe" von Klaus Kinski kann es gar nicht sein.

27. Ich habe die seltsame Fähigkeit, Diebstähle zu beobachten oder intuitiv zu erahnen. Einer hat sich mal dermassen offensichtlich vor meinen Augen abgespielt, dass ich die Verkäuferin darauf hingewiesen habe. (Jemand hat versucht, einen Koffer zu klauen..!) Sie hat den Dieb aber laufen lassen. Und einmal habe ich nichts gesagt, weil der Betreffende sehr arm aussah. Und weil er eine Kinderjacke geklaut hat.

28. Wahrscheinlich hätte ich Karriere als Detektiv machen können. Als Kind war das immer mein Traum. Wie Miss Marple oder der sexy Lord Peter von Dorothy Sayers.

29. Den fand ich als Teenager schon sexy. Jetzt wahrscheinlich nicht mehr.

30. Ich kann mich erinnern, das erste Mal gekocht zu haben, als ich noch Mühe hatte, die Bratpfanne alleine auf dem Herd zu bewegen.

31. Bratkartoffeln.

32. Ich war vor einiger Zeit bei Freunden zu Besuch, wo ich ein Aha-Erlebnis sondergleichen hatte: Der Mann des Paares besitzt ein Kinderkochbuch, dass ich als Kind ebenfalls hatte. (Linus lässt nichts anbrennen.) Ich hatte das Buch zum ersten seit Rund 20 Jahren in den Händen und mir fiel ein, dass ich als Kind mehrere Kinderkochbücher besass. Ich muss ein seltsames Kind gewesen sein.

33. Ich habe einmal für eine Zeichenklasse Modell gesessen. Und ja, da musste man sich ausziehen.

34. Modellsitzen ist sehr anstrengend, und die Bezahlung war schlecht.

35. In meinem Heimatort in der Provinz soll der Stundensatz fürs Modellsitzen wesentlich höher sein.

36. Ich war froh, dass ich den Leuten dabei nicht in den Kopf gucken konnte. So genau wollte ichs dann doch nicht wissen.

37. Die Ergebnisse waren lustig. Sehr beruhigend. 20 Leute haben 20 verschiedene Frauen gezeichnet. Von Kate Moss bis Bridget Jones. Faszinierend.

38. Ich kam mir sehr wild vor, als ich mal mit Anfang 20 mit einer Gruppe Leute in einem Schwimmbad eingebrochen bin. Es war Hochsommer und wir waren -natürlich- betrunken. Wir sind über mehrere Zäune geklettert und haben bei Mondschein gebadet. Und ja, da haben wir uns auch ausgezogen.

39. Ich hatte ein kurzes Kleid und Pumps an. Damit klettert es sich sehr schlecht über Zäune.

40. Ich kann mich sehr für Kinderbücher begeistern, Bilderbücher und Romane. Mein aktueller Tip: Königin Gisela. Und: Rico, Oskar und die Tieferschatten.

41. Ich habe heute noch eine Narbe am Knie, weil ich mit zehn Jahren bei meiner Großmutter von dem Häuschen, in dem die Mülltonnen untergebracht waren, heruntergesprungen und dabei gestolpert bin. Das aufgeschlagene Knie ist lange nicht verheilt.

42. Wenn ich mir Schuhe kaufe, habe ich bisher immer eine halbwegs vernünftige Begründung gefunden.

43. Das ist einfach für mich, weil ich nicht viel Kleidung -und Schuhe- besitze.

44. Ich finde es meistens fürchterlich, Kleider einkaufen zu gehen. Im Idealfall dauert ein Kleiderkauf bei mir 20 Minuten, Anprobieren eingeschlossen.

45. Ich könnte mich tagelang in Buchhandlungen aufhalten. (Bücher kaufen ist dagegen gar kein Problem!)

46. Ich bin in einer Buchhandlung aufgewachsen. Ich könnte mir keinen inspirierenderen Ort vorstellen.

47. Ich liebe jede Art von Wissensspeicher. Oder Phantasiespeicher, wo die Bilder gesammelt sind, die andere Leute im Kopf haben: Kunstmuseen zum Beispiel.

48. Ich hasse frühes Aufstehen, obwohl ich die Morgenstunden wunderschön finde, wenn ich es doch einmal tue. Meistens.

49. Als Kind habe ich Schokoladenpudding gehasst. Wegen der Haut obendrauf. Heute kennen Kinder Haut auf Pudding wahrscheinlich überhaupt nicht.

50. Heute habe ich zwei Nichten, die es lieben, solche Geschichten, wie diese 99 Punkte erzählt zu bekommen. Und von der Haut auf dem Pudding. Und sie sagen zu mir: Erzähl uns was von früher. Wie ich es früher zu meiner Oma gesagt habe. Seltsames Gefühl.

51. Inzwischen bin ich immerhin soweit, dass ich Schokoladeneis liebe, das mochte ich ursprünglich auch nicht.

52. Erdbeeren habe ich schon als Kind gemocht, und ich habe sie bei meinen Großeltern im Garten direkt von der Pflanze gepflückt. Dabei hat mich immer gestört, dass die Blätter seltsame Spitzen hatten, die unangenehm an den Knöcheln gepiekst haben.

53. Egal war mir, wenn die Erdbeeren noch ein bisschen sandig waren.

54. Mein Großvater hatte das heruntergekommenste Gartenhäuschen in der ganzen Schrebergartensiedlung. Es war hellblau gestrichen, und die Farbe blätterte ab. Jahrelang hatte er vor, es in einer anderen Farbe zu streichen.

55. Mir ist das als Kind nie aufgefallen.

56. Ich wollte immer auf Händen laufen und jonglieren können.

57. Das zweite habe ich lange versucht, kann aber beides bis heute nicht.

58. Ich kann mich noch an das erste Buch erinnern, das ich gelesen habe. Ich habe ewig gebraucht.

59. Ich habe als Kind nicht verstehen können, wieso man plötzlich nicht mehr vorgelesen bekommt, wenn man selbst lesen kann.

60. Noch heute ist etwas besonderes, wenn mir jemand, der mir viel bedeutet, vorliest. Also, in einer Beziehung, soll das heissen.

61. Venen auf Männerarmen sind etwas, wo bei mir mitunter das rationale Denken komplett aussetzt.

62. Backen und Kochen löst so eine Art Beruhigungsmodus in meinem Hirn aus. Wie Bildschirmschoner.

63. Ausser wenn was schief geht.

64. Ich kann mir nicht vorstellen, was ich machen würde, wenn ich in einem Zeitalter ohne Telefone geboren worden wäre.

65. Ich bin kurzsichtig, und ich vertrage Kontaktlinsen nur zeitweise. Die Welt, die ich dann sehe, irritiert mich unwahrscheinlich. Sie wirkt so masslos.

66. Ungefähr so, wie auf Fotos, die mit einem Fischaugenobjektiv aufgenommen wurden.

67. Ich finde den Ulysses von James Joyce lustig. Ich weiß, dass viele Menschen diese Meinung nicht teilen.

68. Ich bin Linkshänder und versuche gelegentlich Hinweise auf meine vielleicht doch vorhandene geniale Begabung daraus abzuleiten.

69. Ich bin ausgewiesener Kaffeetrinker. Denken ohne geht gar nicht. Also morgens jedenfalls.

70. Ich muss unter allen Umständen ein gefülltes Glas Wasser neben dem Bett stehen haben, sonst kann ich nicht gut schlafen. Auch, wenn ich es oft gar nicht trinke.

71. Ein ausgeprägter Tick von mir ist, die Inhaltsangaben auf Nahrungsmitteln zu lesen. Das Ziel ist dabei, Geschmacksverstärtker unter allen Umständen und möglichst alle künstlichen und viele dubiose/unverständliche/naturidentische Inhaltsstoffe zu vermeiden.

72. Ich finde es interessant, mir die Gesichter von Passanten auf der Straße oder im Café anzusehen. Bei Männern ist es mir schon passiert, dass der Betreffende gedacht zu haben scheint, ich wäre interessiert an ihm.

73. Jahrzehntelang habe ich zu der Ich-gehe-ungeschminkt-nicht-mal-zur-Mülltonne-Sorte Frau gehört. Das hat sich bei meinem vorletzten Freund geändert. Ich war ehrlich erstaunt, dass die Welt normal weiter ihren Gang nahm, obwohl ich mich ihr ungeschminkt stellte.

74. Ich hatte als Grundschulkind mal einen Badeanzug mit Verkehrsschildern drauf.

75. Ein Hobby von mir ist, meine Verleser von Schildern und ähnlichem zu sammeln.

76. Ich habe mir als Teenager zeitweise die Haare mit Henna rot gefärbt. Erstaunlich, wie intensiv der Ton bei Leuten mit ohnehin dunklen Haaren werden kann. Zeitweise waren sie auch schwarz. Und ich habe sie auch mal ganz abrasiert.

77. Zu dieser Zeit gab es Gelegenheiten, wo meine Mutter sich geweigert hat, mit mir in der betreffenden Kleidung einkaufen zu gehen. Das hat mich damals genervt, aber eigentlich war ich stolz darauf, dass ich etwas Eigenes hatte.

78. Die Lederjacke, um die es unter anderem ging, besitze ich immer noch, ich trage sie aber nicht mehr.

79. Putzen finde ich fürchterlich. Zeitverschwendung. Wird sowieso wieder dreckig. (Manchmal raffe ich mich aber auf.)

80. Ich bin einer der Traumzielgruppenmenschen, die tatsächlich gezielt Radiosendungen hören.

81. Ich habe keinen Fernseher, und ich glaube, da besteht ein Zusammenhang.

82. Ich werde durchschnittlich fünf Jahre jünger geschätzt als ich tatsächlich bin. Natürlich finde ich das schmeichelhaft, aber manchmal denke ich, ich habe wirklich eine Art Peter-Pan-Syndrom. Aber ganz Berlin ist ein einziges Peter-Pan-Syndrom.

83. Ich habe an sich kein Problem damit, älter zu werden. Ich fürchte nur, wenn ich in meinem Beruf arbeiten werde, keine Zeit mehr für mich selber zu haben. Oder es nicht mehr in den Beruf zurück zu schaffen, wenn ich mal Kinder habe. Was mir sehr wichtig ist. Also, beides.

84. Ich habe bisher noch jede Grünpflanze kleingekriegt, und das ist mir etwas peinlich. Ich sage immer, dass die Pflanzen Selbstmord begehen, wenn ich auftauche.

85. Ich habe eine Schwäche für Experimente. Ich muss alles ausprobieren.

86. Schokolade mit Salz zum Beispiel. Geglückt: Sehr lecker!

87. Dating-Portal: habe ich auch ausprobiert, fürchterlich.

88. Ich fands nicht so schlimm, ich habs ja als Experiment gesehen.

89. Ich liebe es, in Cafés zu sitzen und der Zeit beim Vergehen zu zusehen. Das macht aber nur Spaß, wenn man nicht unbegrenzt Zeit hat.

90. Ich kann es nicht leiden, wenn auf Kleidungsstücken, die ich kaufe, sichtbar der Name des Herstelllers angebracht ist.

91. Das hindert mich gar nicht daran, viel Geld für Kleidung oder Schuhe auszugeben, wenn ich es mir gerade eben so leisten kann. (Oder auch, wenn ich es mir nicht leisten kann.)

92. Kampfsport macht mir viel Spaß, aber ich habe es bisher nicht geschafft, mich in einem Verein anzumelden. (Das hängt auch damit zusammen, das mich Vereine als solche abschrecken.)

93. Ich gehe gerne frühstücken, aber nicht Sonntags, wenn die Cafés völlig mit Frühstückern überfüllt sind.

94. Ich mag keine Brunchs, weil ich mich unter Druck gesetzt fühle, alles zu probieren. Und nachher ist mir schlecht vom vielen Essen. Ich will meinen Teller für mich. Ich bin nämlich manchmal futterneidisch. Hehe.

95. Ich habe eine Tätowierung, die leider schon etwas verblasst und insgesamt nicht sehr gut gestochen ist. Ich dummes junges Ding hab mir einen Student gesucht, keinen Meister ;)

96. Wer in obigem Punkt enthaltenes Zitat eines meiner Lieblingsmusiker/-gruppe
.. erkennt, bekommt einen Preis.

97. Ich liebe Bücher ganz besonders, wenn sie eine surreale, unwirkliche Ebene enthalten, die plötzlich in den uns bekannten Alltag einbricht. Wie bei Murakami.

98. Ich liebe jede Art von Kunst, die dieses Element enthält.

99. Träumen ist mir sehr wichtig. Nachts und Tags.

Hab ich übrigens von Kathrin, die ihr Blog aus (den Grund wollte sie hier nicht sehen) XXXgründen (hoffentlich!) vorübergehend abgeschaltet hat.