3. Januar 2019

Filme, die erste oder wie ich mein uraltes Blog in ein Filmblog ummodele

So.

Kaum zu fassen: Es gibt hier wieder Blogeinträge. Oder jedenfalls die Absicht, Blogeinträge zu verfassen. Das fußt darauf, dass ich schon seit vielen Jahren Mitglied einer sehr beständigen Filmgruppe bin, die sich einmal im Monat trifft, um zusammen Filme anzusehen und zu diskutieren. Reihum stellt jeweils ein Gruppenmitglied den betreffenden Film vor. Weil die Initiatorin ihre Promotion über Setdesign schreibt, dreht es sich bei den Vorträgen vor allem um die Sets, die Bauten, wie es früher hieß. Ich habe mit dieser Freundin studiert (Kunstgeschichte) und meine Magisterarbeit  über das Set Design von "Nosferatu - Symphonie des Grauens" und "Schatten" geschrieben, daher die Begeisterung für Set Design. Mein zweites Hauptfach war Theaterwissenschaften, wo ich viel  Veranstaltungen zur Theatergeschichte und zu Film belegt habe. Insoweit ist es mir wichtig, dass ich Set Design aus zwei Perspektiven betrachten möchte - aus der bildgeschichtlichen und aus der filmgeschichtlichen.

Schon seit Jahren denke ich darüber nach, dass es ja eigentlich blöd ist, die gesammelten Filmeinführungen auf der Festplatte meines Rechners zu horten und sie nicht weiterzuverwenden. Hier werden sie also reanimiert, es wird sich zeigen wie weit ich komme. Material habe ich jedenfalls in rauhen Mengen.
Ich weiß, Filmblogs und verwandte Websites gibt es in großer Zahl. Ich will vor allem meine eigenen Gedanken festhalten und rekapitulieren, was ich im Laufe der Zeit gemacht habe. Vielleicht hilft es ja sogar anderen (das würde mich natürlich freuen!) oder es ergeben sich interessante Debatten (das wäre super!) oder womöglich schreibe ich mit 50 dann doch noch meine Dissertation (haha!).  

Vorgehensweise: Ich verfahre immer nachdemselben Prinzip, zuerst sehe ich mir den Film auf DVD zweimal an. Das erste Mal gucke ich ihn quasi zum Spaß und um mir einen Eindruck zu machen. Selten stoppe ich den Film, um mir Ideen zu notieren, die ich auf gar keinen Fall vergessen will. Das zweite Mal sehe ich den Film, um Screenshots zu machen und mir zu überlegen, was ich besonders interessant finde. Ich achte vor allem auf das Set Design, manchmal schalte ich auch den Ton ab, um mich besser konzentrieren zu können. Ich mache sehr viele Screenshots, um sicherzugehen, dass ich nicht später noch einzelne Szenen oder Einstellungen heraussuchen muss.

Dann mache ich eine Präsentation, die die wichtigsten Daten und Namen zum Film enthält, vor allem aber sammle ich Informationen zur Produktionsgeschichte und zum Design. Zum Teil gibt es Übergänge vom Set Design zur Kameraführung (z.B. bei Hitchcock!) oder zum Kostümdesign (Edith Head!), wo ich Ausflüge in die anderen Bereiche der Produktion unternehme.
Separat mache ich mir Notizen zu dem, was ich erzählen will. Es ist so eine Berufskrankheit von Kunsthistorikern glaube ich, dass man möglichst viele Informationen auf einer Folie unterbringen will (da ist doch noch Platz!). Daher bemühe ich mich, die Informationen knapp zu halten. Ganz wichtig sind die Screenshots und Abbildungen aus dem Umfeld des Films, um meine Thesen zu untermauern. Manchmal finden meine Freunde in den Screenshots natürlich auch gerade den Beweis, mit dem sie meine These widerlegen.

Quellen: 
Da ich mich meistens mit historischen Filmen beschäftige, laufen diese selten zufälligerweise im aktuellen Kinoprogramm. Wenn doch, ist das natürlich toll. Bei "Nosferatu" war das noch relativ einfach, weil der häufiger mal im Kino gezeigt wird. In letzterem Fall laufen die Filme meistens entweder im Zeughauskino oder im Arsenal am Potsdamer Platz.





26. April 2013

Die schönste Leiche Italiens oder was Venedig und Berlusconi gemeinsam haben (Teil I)

Dieser Text ist eigentlich schon älter, da ich ihn aber nur handschriftlich (!) in ein Notizbuch geschrieben hatte, verschwand er still und heimlich aus meinem Gesichtsfeld. Neulich fand ich ihn wieder, und da ist er nun, leicht angepasst, erweitert und glattgeschmirgelt.


I

Ich glaube, die Venezianer hassen die Touristen ein bisschen. Das haben sie mit den Berlinern gemeinsam. Leute (wie mich, zum Beispiel), die hingerissen das Postboot anstarren und kichernd durch das Hochwasser waten, die die zahlreiche schmalen Durchgänge und Gassen verstopfen, weil sie fortwährend fotografieren.
Venedigs morbide Schönheit wird zurecht häufig zitiert. Die Stadt strahlt viel von der Faszination einer kunstvoll aufgebahrten Mumie aus und sie verwest nichtsdestotrotz weiter, wenn auch voll Eleganz. Anders als Berlusconi, wie ich finde, um den Titel des Eintrags aufzugreifen. Die Stadt liegt in der Lagune wie die kunstvoll aufgebahrte Leiche eines Heiligen in einer Kirche. Ich musste an diesen hier denken, der zwar möglicherweise Italiener war, allerdings als Katakombenheiliger schon länger außer Landes weilt. Aber Venedig ist nicht nur eine schöne Leiche, sondern auch ein Wald aus Stein. Das war mein erster Eindruck: Es gibt in dieser Stadt kaum Grün. Höchstens in Form von Gärten, hinter hohen Mauern erahnbar, oder als ramponierte Rasenfläche vor der Universität.

     
                                                                                   

II

Venedig als Idee verkörpert die Philosophie der Renaissance: Menschen erschaffen etwas allein auf der Basis eines Gedankenkonstrukts. Ein Beweis der Macht menschlichen Willens. Auch wenn ich natürlich im Reiseführer gelesen habe, dass die Lagune schon viel früher besiedelt wurde und sicher nicht mit der Absicht, etwas unwahrscheinliches zu beweisen. Seit Jahrhunderten wird Venedig totgesagt, der Untergang steht dauerhaft unmittelbar bevor: La Serenissma versinkt, verdünnisiert sich wieder im Meer. Und doch ist es immer wieder nicht soweit. Wer weiß, vielleicht würde Venedig ohne die ganzen Touristen jetzt sofort untergehen. Wie mein Bücherregal, dass vor allem durch die Last der darin befindlichen Bücher nicht umkippt, wenn es auch unter ihnen fast zusammen zu brechen scheint. Touristen sind sozusagen der Mörtel und der Schimmel Venedigs in Personalunion. Eine Stadt, die sich auf einer sehr kleinen Fläche erhebt und ursprünglich auf Sand gebaut ist, auf einer Sandbank. Eigentlich wie Sylt, nur zugebauter. Und auf Pfählen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein mit den Vergleichen.

III


Kirchen, die als Zentralbau angelegt sind, wie diese hier (auch oben im Bild), haben an sich weder einen Eingang noch einen Ausgang- jede Pforte sprengt das Prinzip des Kreises. An die Rundung angepasste Kirchentüren und -portale habe ich noch nie gesehen. Insoweit sprengt natürlich jeder Zentralbau das Prinzip des Kreises, weil er eben Portale usw. besitzt. Das ist vielleicht doch keine so bahnbrechende Überlegung, wie ich beim Anblick der Kirche dachte. Hm.

IV


Das Klischee zeichnet Italiener als Menschen mit Lebensart, die das Dasein genießen. Venedig ist voller hastig vorbei eilender Italiener mit grauen Gesichtern, die deprimiert oder genervt wirken und die sich vor allem schnell von Ort zu Ort bewegen, um (im November) nicht mehr zu frieren als nötig.
Wahrscheinlich stimmt das Klischee einfach nicht. Stimmen Klischees jemals? Und worauf basierend entstehen sie eigentlich?

V

Das Teatro la Fenice ist wunderschön, aber nur so lange man sich auf den großen Saal konzentriert. Alles andere wurde eben doch nicht so historisch genau wieder aufgebaut. Wie sollte man auch? Welche Stadt kann heute noch Handwerker bezahlen, die jede Stuckrosette, jeden Wandfries einzeln per Hand herstellen? Verlässt man den Theatersaal mit den opulenten Deckenmalereien, Kronleuchtern und dem schimmernden Samt, fällt auf, wie oberflächlich das Opernhaus wieder zusammen geschustert wurde. Die Stuckfriese, die die Wände zur Decke hin abgrenzen, sehen ein bisschen nach Baumarkt aus, hinter den Fußbodenleisten lugen Kabel hervor. Alles ein bisschen Disney, alles ein bisschen modern gammelndes Venedig.

Die allermeisten Gäste kamen erst in den letzten Minuten ins Theater. Touristen, die sich spontan für das Konzert entschieden, nehme ich an. Wir haben nämlich dasselbe getan. Es hat was elektrisierendes, wenn ein Freund an einer Litfaßsäule stoppt und sagt, hey, wir könnten jetzt ins Konzert gehen. Und schon sitzen wir drinnen und wussten kaum, wie uns geschah.

                                                                                 


VI

Das Essen in den Restaurants ist grauenhaft, wenn man sich von auffälligen Schildern leiten lässt und großartig, wenn man 1. das Glück hat, gute Tipps zu bekommen und 2. eine Spürnase hat. (Wie wir. Beweis links.) Einen wesentlichen Anteil seiner Künstlichkeit bezieht Venedig daraus, dass pro Tag, pro Stunde quasi, eine unfassbare Menge von Touristen durch die Stadt geschleust werden. Und jedes Restaurant, fast jedes Geschäft und jedes Museum sind auf die Touristen ausgerichtet, und das wird besonders beim Essen deutlich. Und trotzdem übt die Stadt, wie sie im Novembernebel daliegt, eine große Faszination auf mich aus. Venedig schweigt im November, und das sehr beredt. Es gibt viele Momente, in denen ich auf meinen Wegen völlig alleine auf den Brücken stehen bleibe, mich in engen Durchgängen verliere und mich plötzlich auf dem kleinen Platz zwischen einem Marmordenkmal und einer Linde wieder finde, wo ich begonnen hatte.

VII


Ein Einzelzimmer im Hotel ist genauso teuer wie ein Doppelzimmer. Das ist ein Zustand, den ich als Single anprangere. Die Pension gehört einem Ehepaar mit Papagei. Er sitzt auf einer Stange neben der Eingangstür und beobachtet das Geschehen auf der Straße durch die große Fensterscheibe: eine Art Wachhund, nur in bunt. Manchmal macht er leise schnarrende Geräusche und rückt ein bisschen auf der Stange hin und her. Er kann auch ein paar Worte sprechen, aber meine paar Brocken Italienisch reichen nicht zum Papageienverstehen. Ich hatte auch nicht die Muße, mich lange genug neben ihn zu stellen, um seine Worte aufzuschnappen. Ich habe ihn erst richtig gesehen, als er sich bewegte. So exotische Tiere nehme ich wahrscheinlich selbstverständlich als künstlich an.



VIII

Die Heizungen sind mir suspekt. In meiner Pension zumindest stehen keine Zahlen an den Thermostaten der uralten Heizkörper. Ich als Deutsche engagiere im Geiste sofort ein Heer von Installateuren um diesen Missstand zu beheben. Kann ja nicht angehen, ts. Es ist außerdem grässlich feucht-kalt, völlig der Jahreszeit angemessen und spürbar bis ins Knochenmark. Wahrscheinlich sind im Laufe der Geschichte viel mehr Venezianer an den Folgen von Rheuma (kann man überhaupt an Rheuma sterben? Nun. Dies ist kein Medizin-Blog.) gestorben als an der Pest. Auf dem Bild rechts ist übrigens eine Art elektrische Mückenabwehr zu sehen, wie man mich später aufgeklärt hat. Denn natürlich hat Venedig auch im November noch Mücken in eindrucksvoller Größe zu bieten. Unter die Lamellen dieser Apparatur werden ominöse Pappkärtchen geschoben, die noch ominösere Chemikalien im Zimmer verdampfen und die Mücken abhalten/sterben/kichern lassen sollen. Da ich das alles ja noch nicht weiß, steige ich Nachts mit dem Stadtführer (Michael Müller Verlag! Sehr zu empfehlen! Bekomme ich kein geld für! Leider!) bewaffnet den venezianischen Mücken hinterher und könnte schwören, sie kichern bestimmt. Die schicke Plastiktischdecke gehört natürlich zur Pension mit dem Papagei.

                                                               


IX

Der Dogenpalast

Der Dogenpalast ist eine gewaltiger Speicher von Bürokratie aus einer Zeit, von der man glaubt, es hätte noch keine Bürokratie gegeben. Das dunkle Innere hat eine erdrückende Wirkung, die zahllosen Säle hintereinander gereiht, Gänge, Treppen, Zimmer, Kammern. Alles mit dunklem Holz getäfelt, zum Teil mit Wandbehängen und Intarsien, riesige Gemälde. Das graue Tageslicht dringt kaum bis ins Innere. In der Sala del Maggior Consiglio, dem Saal des großen Rats, zeigt ein Fries oben unter der Zimmerdecke die Porträts sämtlicher Dogen. Aus der Höhe schauen sie streng auf die Besucher herab. Darunter fällt ein Gemälde auf, auf dem der Porträtierte mit einem schwarzen Tuch übermalt ist. (Wie oft schon wollte die Leute gerade seine Geschichte hören?) Er wurde hingerichtet, weil er korrupt war. Wahrscheinlich eher, weil er jemandem im Weg war oder zu offensichtlich erwischt wurde.




23. April 2013

Der typische Internet-Kommentator


  1. Wer kommentiert?
  2. Warum wird kommentiert?
  3. Wie wird kommentiert?
  4. Wer liest die Kommentare?
  5. Wie sind die Folgen für das Internet als sozialem Raum? Inwieweit wird das Image des Internets beeinflusst?

1. Was für Internet-Nutzertypen gibt es? (Allgemein, nicht über Kommentatoren konkret)
(via Bianca Oertel, Facebook)
http://www.initiatived21.de/presseinformationen/pressemitteilung-studie-digitale-gesellschaft-zeigt-sechs-neue-nutzertypen-im-vergleich-289-prozent-zahlen-zu-den-ausenstehenden-skeptikern

Politische Ausrichtung von Internet-Kommentatoren (via Bildblog):
http://www.edito.ch/de/2013/04/15/wie-ticken-onlinekommetierer-politisch/

Über Nutzerkommentare/ Trolle
http://www.sueddeutsche.de/kultur/meinung-im-internet-vom-elend-der-nutzerkommentare-1.1147168

Interview zu Trollen im Internet: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/555486 , der befragte Autor hat seine Diplomarbeit zur "Trollkultur" geschrieben. ( http://wwwwwwwww.at/trolls/ )
Er grenzt trollen und mobben ab, trollen kann auch positiv sein...? Positives Trollen hab ich bisher selten erlebt. Das Interview überzeugt mich schon mal nicht so.

Meine These soweit: Trollen würgt Diskussionen ab bzw. verhindert sie, und das ist auch Ziel des Trollens.
Meine 2. These: Die meisten User kommentieren im Internet, um sich selbst darzustellen, aus Eitelkeit.

Noch ein Text über Trolle: http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/06/25/das-kleine-trollhandbuch-2/

gib dem Affen Zucker:
http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/index.php/5046/die-denunzianten-app-der-stadt/

Artikel über Kommentatoren, basierend auf einer Studie (?) der Zeit, auch als Vortrag bei der Republica 2012:
http://www.onlinejournalismus.de/2012/05/10/studie-zu-user-kommentaren-poebler-bemuhte-musterschuler/
Die Slide-Show beschreibt die gleichen User-Typen wie auf Christophs Poster in der Redaktion.
Interview zum Artikel: http://www.drehscheibe.org/interview-mit-sebastian-horn.html
Allerdings denke ich, dass es auch unter den anderen drei User-Typen Trolle gibt, anders als die Autoren der Studie.
Hier einige Postings, die unter dem Artikel stehen :)

Kommentar von kein | 23.03.2013
Zeit Online ist die schlimmste Zensurzeitung die im Deutschsprachigem Raum existiert! Bei einigen Themen werden gegenteilige Meinungen zu einem Artikel absolut nicht geduldet und da wird de Kommentar gleich gelöscht oder der Acc gleich mit.
Kommentar von orientierung202 | 10.03.2013
Hat eigentlich jemand Erfahrungen damit, wie es nach einer Sperrung mit dem Datenschutz weitergeht?
Faktisch ist es ja so, dass die ZEIT einem ohne Vorwarnung den Zugriff auf die bisherigen eigenen Kommentare entzieht und keiner weiß, was die künftig damit machen werden.
Damit ist eigentlich nach BDSG ein Anspruch auf Auskunft und Löschung verbunden. Weiß hier keiner was??
Kommentar von orientierung202 | 10.03.2013
Darf ich dem “Club” beitreten?
Mein Account ist Mitte Februar 2013 kommentarlos gesperrt worden. Auf meine Rückfrage, weswegen, habe ich einen Monat später die folgende Auskunft erhalten:
“Leider fielen Sie der Moderation wiederholt durch unangemessene Vergleiche mit der Judenverfolgung, Arbeitslagern u.ä. negativ auf. Darum wurde Ihr Zugang zum Kommentarbereich gesperrt. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass unsere Netiquette durchgängig eingehalten wird.
Ein Fall auf den das zutraf war, dass ich bei der Diskussion um die pol. Korrektheit des N-Worts in Büchern darauf verwiesen habe, dass wir ja bereits Zeiten hatten, in denen unliebsame Autoren verbrannt wurden.
Eine angemessene Reaktion auf so einen Beitrag ist entweder ein Widerspruch von anderen Lesern oder der Moderation, die in einem eigenen Beitrag drauf hinweisen kann, dass sie den Vergleich unangemessen findet und warum. So könnte sich jeder eine eigene Meinung bilden. Das scheint aber nicht das Ziel zu sein, sondern der Zusammenhalt einer harmonisch-konformen Gemeinde, die nix “Böses” erfährt.
Dass die Zeit den Humor besitzt, nun genau diese Logik (nicht Sperrung der Meinung, sondern Sperrung meiner Person!) auf meinen Zugang anzuwenden, das ist Chuzpe.
Es ist wie in diesem genialen Werk von C.G. Wells “Die Zeitmaschine”: die Eloi leben friedlich auf Erden. Ab und zu verschwindet einer, was keinen weiter kümmert.



2.

Man könnte Kommentatoren vielleicht zunächst ganz simpel danach einteilen:

Will der Nutzer diskutieren oder nicht?

neutral:

  • Meinungsäusserung (Man gibt einen Standpunkt zum Artikel ab, von dem man denkt, dass er den Artikel ergänzt oder in Opposition zu ihm steht und daher eine Diskussion anregt.)
  • den Artikel positiv oder negativ beurteilen, aber ohne die eigene Meinung zu konkretisieren ("Hat mir gut gefallen" ; "Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen")
trollen:
  • persönlicher Austausch mit den anderen Nutzern (der Artikel steht im Hintergrund bzw. ist völlig gleichgültig, der Kommentator versucht, eine Art privaten Chat zu beginnen -> Off Topic)
  • Besserwisserei (Man glaubt, einen Wissensvorsprung gegenüber dem Autor/den anderen Nutzern zu haben und tut dies meist in eher herablassender Weise kund.) Zum Teil auch off topic, zum Beispiel bei Hinweisen auf Rechtschreibfehler von anderen u.ä.
  • Wahlwerbung (artikelunabhängig), meist in Form von einzelnen Sätzen mit der Aufforderung, die betreffende Partei zu wählen. Oder: Die Diskussion immer wieder darauf bringen, wie die Partei mit dem Artikelthema umgeht und aggressives Verteidigen der Partei gegenüber anderen Nutzern
  • Polit-Trollen: vehementes (artikelunabhängiges) Vorbringen einer bestimmten politischen Einstellung, die oft extrem ist: Der Versuch, die Diskussion dementsprechend zu beeinflussen, Angriffe auf andere Nutzer, besonders bei Widerspruch oder vermeintlichem Widerspruch
  • Pöbeln: Wahllose Angriffe auf den Autor und andere Nutzer, meist mit wüsten Beschimpfungen, Vermutungen über deren Privatleben und Versuche, den Nutzern Behauptungen in den Mund zu legen
  • Verschwörungstheoretiker: (artikelunabhängig) Der Nutzer interpretiert den Artikel als Teil einer Verschwörung, die er oft mit Verweisen auf andere Artikel, Filme etc. mit Verschwörungstheorien verweist. Mit pseudowissenschaftlichen Argumenten will er nachweisen, dass alles einem übergeordneten Plan unterworfen ist und er einer der Auserwählten ist, die davon wissen. 
  • Spammer: Nutzer, die entweder 1. versuchen, Links zu der eigenen Website zu posten (oft artikelunabhängig, oder wenn mit Bezug, dann oberflächlich maskiert) oder 2. wahl- und sinnloses Posten von einzelnen Worten oder inhaltlich eher wirren Texten.


Hmm. Wer entscheidet, was ein guter Zweck ist? Wann ist trollen gerechtfertigt?
http://jetzt.sueddeutsche.de/momente/anzeigen/11088



13. September 2011

Über Essen: Liebe und Hass, Teil 3

Essen zuhause.

Wie gesagt, essen zuhause war weit weniger gefährlich als bei meinen jeweiligen Großeltern, in Restaurants oder in der vielgerühmten Schlachterei. Es hatte aber seine Ecken und Kanten. Die bestanden in fettem Fleisch, Spinat und noch einigen Ausgeburten der ernährungsbewußten bundesdeutschen Durchschnittsküche.
Entsprechend der 80er-Jahre-Normalität war es meine Mutter war es, die kochte.  Sie kochte gern, aber es mußte schnell gehen. Noch lieber wäre es ihr wahrscheinlich gewesen, wenn sie nur bei besonderen Gelegenheiten hätte koch müssen, denn sie war berufstätig.

29. Dezember 2010

Im Winter

Was ist Winter für mich?
Kälte natürlich, und Schnee, auch wenn er häufig gar nicht da ist.
Dieses unvergleichliche Knirschen der eigenen Schritte auf dem frischgefallenen Schnee.
Eine trostlose graubraune Landschaft wird durch Schnee in ein makelloses weißes Zeichenblatt verwandelt, die gerade noch sichtbaren Zäune und Bäume bilden die Skizze auf dem Papier.

Winter ist auch Wärme, schon im Kontrast zur Kälte, beides geht nur zusammen. Draussen der bittere Frost, der bis ins tiefste Knochenmark zieht, der jegliche Konzentration auf anderes verbietet, der jede Bewegung erlahmen lässt und in den Augenwinkeln beisst. Drinnen die Wärme, die Brillen beschlagen lässt, Nasen laufen und Füsse sehr langsam auftaut. Nach draussen mitzunehmen ist die Wärme als heisses Getränk, in einem Becher zwischen den klammen Fingern.

Winter ist ein großer Stern, in einem Fenster aufgehängt.
Winter ist Dunkelheit am Nachmittag und die gleißende Helligkeit der Schneedecke am Morgen.
Die Wasserränder, die sich auf den Schuhen abgesetzt haben.
Die Sekunde vor dem Fallen, wenn man denkt, oha, hier ist es aber glatt.
Eine Kiste mit duftenden rotwangigen Äpfeln im Windfang.
Ein plötzlich im Schnee verharrendes Reh, die Ohren gespitzt.
In der Großstadt gibt es weniger Winter als auf dem Land.
Die unglücklichen Schneemänner meiner Kindheit, denen Grashalme aus Bauch und Brust stakten, weil die Schneedecke auf dem Rasen so dünn war.
Die Empörung meiner Mutter, weil sie den gesuchten Topf auf dem Kopf des Schneemanns wiederfand.
Ihre Augenbrauen, als sie feststellte, dass wir unsere Schlittenkufen mit Margarine fetteten.
Mein Vater, Schnee schaufelnd in der Einfahrt.
Der Winter, als er uns ein Iglu baute.
Dampfender Tee in einer Tasse.
Weihnachtsgebäck auf einem Teller, zerkrümelter Stollen.
Unmengen von Einwickelpapier, Plastikfolie und Verpackungsmaterial, hässlich zusammengeknautscht im Papierkorb um Platz zu machen für weitere Mengen von Plastik und Papier.


Ein nasser Hund, im Hausflur den Schnee heftig von sich schütteln, unangenehm riechend und voller ungestümem Leben.
Die Katze, die mit untergeschlagenen Pfoten auf dem warmen Fensterbrett thront und von dort die Nachbarschaft beäugt.
Meine Schwester, wie sie mich von hinten gepackt hielt, um mir das Gesicht mit Schnee einzuseifen.
Grauverhangener Himmel.
Ebenfalls grauer Schneematsch.
Farblose Gräser. Nebel. Eisflächen, die sagen "Betritt mich" und die Verbotsschilder davor.

Ich, als Kind, auf einer überschwemmten, zugefrorenen Wiese, durchnässt bis unter die Knie, weil ich beim Schlittschuhlaufen eingebrochen war. Die Schlittschuhe, deren zusammengeknotete Schnürsenkel in die Schulter einschneiden und die auf Fliesen ein laut schlurrendes Geräusch machen.

Das verheissungsvolle Funkeln der Kerzen des Weihnachtsbaums durch die Glasscheibe der Wohnzimmertür.
Das Anschwellen der Stimmen, wenn in der Christmette "Oh, Du fröhliche" gesungen wird.
Die Menschenmassen in den Einkaufsstraßen, mit gefüllten Tüten und Taschen bepackt.
Die Spendenaufrufe.
Das Frösteln im Zimmer, trotz aufgedrehter Heizung.
Die brennende Hitze des Heizkörpers.
Das Zischen, mit dem der Saft von Bratäpfeln auf den Boden des Herdes tropft.
Der Verkehr, die Stimmen, jedes Geräusch erscheinen seltsam gedämpft durch den Schnee.

Sich nicht überwinden können, die Wohnung zu verlassen.
Der innere Zwang, es doch zu tun, denn: Die Sonne scheint.
Kleinkinder in Schneeanzügen, die sie wirken lassen wie Miniatur-Michelin-Männchen, so bewegungsunfähig, dass sie vornüber in den Schnee kippen.
Leute, die Gesichter so tief in den Mantelkragen vergraben, dass sie kaum zu erkennen sind.

Und natürlich das Kindergeschrei an einem Nachmittag im Park an einem Abhang, durch die Kufen schon stark zerschnitten. Zerschnitten wird auch die eisige Luft durch die wilden Rufe der Kinder.

Das Gefühl, sich nicht mehr an Sommer erinnern zu können: das ist Winter.

26. November 2010

Über Essen: Liebe und Hass, Teil 2

Pferde.
Ein kurioses Detail im Leben der Schlachterfamilie war, dass sie Pferde hielten. Zum Spaß, nicht zum Essen. Die Schlachterfamilie hatte mindestens drei Kinder, die den ganzen Tag draußen waren und immer Reitstiefel und schlammbespritzte, alte Trainingshosen trugen. Ich war sehr neidisch auf dieses wilde, freie Leben, obwohl mir die Kinder und ihre Pferde auch unheimlich waren.

Ich wuchs zwischen den Regalen einer Kleinstadt-Buchhandlung auf, wo ich viel Zeit damit verbrachte, alle Arten von Texten in mich auf zu saugen. Meine Abenteuer bestanden darin, gelegentlich in Nachbars Garten von einem Baum zu fallen (erlaubt, vom Nachbarn, dagegen nicht von meinen Eltern), mit den vier Töchtern des Nachbarn über Zäune im Schrebergartengelände zu klettern (auch unerlaubt) und mir im Freibad den Hals nach älteren Jungen zu verrenken (die sich nicht für zehnjährige kleine Mädchen interessierten).

Aber Pferde und Schlachthöfe gehörten definitiv nicht zu meinem typischen Umfeld. Die Kinder der Schlachterfamilie lebten quasi draußen, immer in der Nähe ihrer Pferde und immer irgendwie mit ihnen beschäftigt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals ein anderes Thema gegeben hätte. So fand ich mich bei einem Besuch zu meinem Entsetzen plötzlich in der Mitte einer verschlammten Koppel wieder, um mich kreisend ein schmutziger Schimmel an einer Longierleine. Auf dem Zaun saßen die Schlachterskinder und ihre neugierigen Freunde und schrien mir zu, wie ich es bewerkstelligen sollte, mittels einem Anlauf und einem gewagten Sprung den um den Bauch des Schimmels geschnallten Voltigiergurt zu packen und mich auf den Pferderücken zu schwingen. Dass ich das tatsächlich geschafft habe, ist mir heute noch ein Rätsel. Ich muss einen unvermittelten Anfall von Mut gehabt haben.

Weitaus faszinierender fand ich die Geburt von Kurt. Kurt war ein Fohlen, dass auf dem Schlachterhof zur Welt kam. Lange hatte die Familie die trächtige Stute bewacht und gerade als ich wieder einmal zu Besuch kam, war Kurt geboren worden, nur Minuten vorher. Eine ganze Reihe Leute waren in dem Pferdestall versammelt und verfolgten, auf die Boxeneinfriedung gestützt, das Geschehen. Das Fohlen lag im Stroh, noch feucht, und wurde von seiner Mutter beständig angestupst, damit es endlich aufstand. Leider war Kurt kein langes Leben beschieden, denn kaum war ausgewachsen, starb er an Darmverschlingung.

Mein Großvater war immer besorgt, dass seine Enkelinnen durch das ständige Lesen verweichlicht werden könnten. Da er zu seinem Leidwesen weder Söhne noch männliche Enkel besaß, wurden meine ältere Schwester und ich zum alleinigen Ziel seiner Idealvorstellung von unabhängigem, mutigem Nachwuchs. Wer heulte, war eine Memme und wer drinnen sitzen und Lesen wollte, ein armseliger Streber. Aber die Schlachterskinder und ihre Pferde hatten es meinem Großvater angetan. Sie entsprachen genau seiner Vorstellung und kamen dem nahe, wie er selbst aufgewachsen war: Auf einem Kleinstbauernhof in Schlesien, ohne Vater. Insoweit war es natürlich mein kleiner, dicker Großvater in seinem ewig selben grauen Pullover und den unförmigen Hosen, der mit Kopfschütteln verfolgte, wie seine verschreckte Enkelin zwischen den wilden Landkindern versuchte, möglichst wenig aufzufallen.

Bei einer anderen Gelegenheit wurde ich ins Haus geholt, weil das Familienoberhaupt mich kennenlernen wollte. Nervös darüber, was mich wohl erwartete, fand ich mich allein in einem großen Eckzimmer des Hauses wieder. Ein Erker überblickte die Felder außerhalb Lübecks, die Aussicht fiel direkt auf die Pferdekoppel, wo der kleine - und noch lebendige - Kurt Bocksprünge machte. Der Raum, wie auch das gesamte Haus, war dem Thema Pferde gewidmet. An den Wänden Kupferstiche von Pferden, Fotos von Kindern auf Pferden, Stammbäume von Pferden und in den Regalen Bücher über Pferde. In dem Erker stand ein Schreibtisch, auf dem die Skulptur eines stolzen Hengstes mit aufgebäumtem Hals thronte. Sie beeindruckte mich allermeisten. Ich war in den Anblick so vertieft, dass ich nicht merkte, wie die Hausherrin hereinkam und sich mir näherte. Als sie mich fragte, warum ich die Skulptur so intensiv betrachtete, erschrak ich fürchterlich. Sogleich überlegte ich, ob ich vielleicht etwas ungehöriges getan hatte. Aber sie wollte nur genau wissen, was mich an dem Pferd denn so beeindrucke. Völlig verwirrt darüber, dass ein Erwachsener ernsthaft an meiner Meinung interessiert schien, stotterte ich eine Antwort.

Die alte Dame war dunkelhaarig, schlank und hielt sich sehr aufrecht. Die Statur einer typischen Reiterin hätte ich mir denken können, wenn ich es damals gewusst hätte. Und sie war sehr respekteinflössend, preußisch geradezu in ihrer Strenge, und trotzdem nicht unfreundlich. Ich war aber viel zu nervös um viel von der Freundlichkeit mit zu bekommen.

Die Welt auf dem Schlachtershof war eine völlig fremde für mich. Sie sah nicht nur anders aus, als das was ich kannte, sie roch und klang auch anders. Die Leute hatten ein anderes Verhältnis zum Tieren, zu Schmutz und zu Essen. Und vor allem, was die Verarbeitung kürzlich getöteter Tiere zu Esswaren anging. Ich kannte Würstchen, Hackfleisch und Hähnchenschnitzel. Alles, was noch zubereitet optisch eindeutig an Lebewesen erinnerte, ekelte mich an. Schon ein ganzer Braten oder ein gebratenes Hähnchen entsetzten mich. Dass meine Großmutter mir einmal ein Stück fette Schweineschwarte (und bestimmt stammte diese aus der bekannten Schlachterei) zum Naschen gab, hat mir nur deshalb keine Übelkeit verursacht, weil sie äußerlich nicht mehr an Schwein erinnerte und ich daher nicht wusste, woran ich herumnagte. Essen außerhalb meines Zuhauses machte mir Angst, der Aufenthalt bei meinen Großeltern machte mir ebenfalls Angst und Essen bei meinen Großeltern war am Gefährlichsten.

15. September 2010

Ein roter Milan

Wenn ich früher meine Großmutter besucht habe, bin ich oft mit ihr in den Feldern außerhalb des Dorfes spazieren gegangen.

Dabei haben wir uns meistens über das unterhalten, was um uns herum passierte, die Tiere und Pflanzen, die wir sahen. Manchmal wies meine Großmutter mich darauf hin, wenn sie einen Greifvogel am Himmel sah. Dunkle Silhouetten, die gemächlich große Kreise zogen und unvermittelt herabschossen, einer Maus hinterher jagend.
Besonders die roten Milane hatten es ihr angetan, sagte sie. Weil sie selten seien, und weil sie zwischen den anderen Vögeln sofort auffielen.

Als wir zwischen den Feldern standen und unseren Blick über die Ebene zum Horizont schweifen liessen, zeigte sie auf einen Milan, dessen Umriss sich vor dem blendenden Sommerhimmel abzeichnete:

"Wenn ich mal tot bin, und du siehst einen roten Milan, dann weißt du, dass ich das bin."

Und jetzt, jedesmal wenn ich einen Greifvogel sehe, hoffe ich, dass es ein roter Milan ist.

9. September 2010

Über Essen: Liebe und Hass, Teil 1




Der Film: "Delicatessen" von Jean Pierre Jeunet, einer meiner absoluten Favoriten.

Ich bin ja mitunter heikel, was Essen angeht. Innereien, zum Beispiel, können mich nur eingeschränkt begeistern. Da ich andererseits ein grundsätzlich neugieriger Mensch bin, probiere ich aber neue oder ungewöhnliche meistens Nahrungsmittel aus. Dass ich Herz nicht mag, entschied ich, nachdem ich in einem japanischen Grillrestaurant ausgiebig auf einem herumgekaut hatte. Es schmeckte so lebendig.

Mein Sportlehrer in der Oberstufe (klein, untersetzt) war mit einer Brasilianerin verheiratet (klein, zierlich). Beide hatten eine Tochter, die (oh, Gene!) so winzig war, dass sie wie die Puppenversion eines Kleinkindes wirkte. Gelegentlich brachte der Sportlehrer seine winzige Tochter mit zum Unterricht und legte damit jede Aktivität im Kurs lahm. Riesige Basketballspieler beugten sich fasziniert über das winzige Mädchen, das seinen Kopf in den Nacken legte, um sie anzuschauen.
Bei einem der Male brachte er eine Tüte aus Brasilien stammende, geröstete und mit Schokolade überzogene Ameisen mit. Der Reiz war einfach zu groß, ich mußte sie probieren. Es hatte den Lehrer schon einige Überzeugungskraft gekostet, bis wir ihm glaubten, dass wir echte Ameisen vor uns hatten und keinen seltsamen Faschings-Scherz. Fast war ich enttäuscht: Die Ameisen schmeckten nach nicht viel, außer nach Schokolade. Ziemlich knusprig. Aber ansonsten unspektakulär.

Ganz anders sind meine Kindheitserinnerungen an meine Großeltern. Meine Oma kochte eigentlich nicht gern, und daher auch nicht besonders gut. Sie lag lieber auf dem Sofa, las kitschige Romane und aß Unmengen Mon Chérie, After eight und Ferrero Küsschen. Die Papierchen, in die die Süßigkeiten gewickelt waren, fanden wir noch Jahrzehnte später beim Saubermachen in den Sofaritzen.
Aus Kochunlust wärmte meine Oma also Dosengemüse auf und rührte dicke Saucen mit Fertigpulver an. Das alles konnte man wahrscheinlich unter "gut bürgerlich" verbuchen, es war eben nur sehr phantasielos. Einmal war meine Oma zutiefst beleidigt, als meine Mutter eine Knoblauchzehe in den Topf mit dem Sonntagsbraten schmuggelte und das Urteil meines Opas (auf den Tisch schlagend und mit vollem Mund) daraufhin lautete: "Mensch, Frau! Schmeckt mal gar nicht schlecht!". Seine Frau mit "Frau" anzusprechen entsprach dem Humor meines Opas.
Wenn meine Oma frische Zutaten verwendete, so kamen diese aus dem Schrebergarten meiner Großeltern. Oder vom Schlachter. Der Schlachter war nämlich ein Freund meines Opas. Da mein Opa in einem anderen Zeitalter, bevor ich geboren war, Elektriker gewesen war, half er dem Schlachter-Freund mitunter mit seiner Kühlanlage. Für die inoffiziell abgewickelten Dienste wurde mein Opa in Naturalien entlohnt, was hiess, dass er völlig absurde Mengen von Fleisch jeder erdenklichen Herkunft in rosa Papier eingeschlagen überreicht bekam.

Die Besonderheit für mich bestand darin, dass ich zu diesen Ausflügen in die Schlachterei mitkommen durfte. Der Betrieb befand sich auf einem ehemaligen Bauernhof, am Stadtrand von Lübeck gelegen, und gehörte einer Familie, deren Mitglieder von der Großmutter bis zum Enkel alle irgendwie mit in die Arbeit eingebunden waren. Die Familie war sehr stolz auf ihre Schlachterei und darauf, dass sie noch selber schlachteten und alle Erzeugnisse selbst herstellten. Im Hof befand sich ein ehemaliger Schweinestall, in dem die -nunmehr toten- Schweine zu Würstchen verarbeitet wurden. Ich fürchtete mich ein bisschen vor dem flachen dunklen Bau, in dem noch leerstehende Koben zu sehen waren, von deren Decke nackte blassrosa Schweinehälften hingen.

Offenbar wurde ein Teil des Schweinefleischs eingepökelt, denn ich kann mich an Wannen aus Weißblech erinnern, die die Salzlake und die Fleischstücke enthielten. Die Wannen waren so flach, dass auch ich mit meinen sechs Jahren hinein blicken konnte. Wie gebannt starrte ich herab auf das aufgequollene Fleisch, an dem ich noch leere Augenhöhlen und haarlose Schnauzen ausmachen konnte. Gesteigert wurde mein Grusel nur durch die Schlachterin selbst, die in einer weißen Gummischürze auf mich zu kam, um sich aus ehrfurchtgebietender Größe zu mir herab zu beugen. Ihre von der Lake krebsroten Hände steckten in Gummihandschuhen, und mit der Rechten hielt sie mir ein gepökeltes Schweineohr entgegen: rosa-weißlich lappte es zwischen ihren Fingern und glänzte noch feucht.
Mit dröhnender Stimme pries sie mir diese besondere Delikatesse an, eine Ehre für mich, die ich nur geniessen durfte, da ich so einen hilfsbereiten Großvater hatte. Nie habe ich die Freundschaft meines Opas mit dem Schlachter mehr verwünscht. Ich glaube, ich bin einfach zur Salzsäule erstarrt, passender Weise.

Im nächsten Kapitel: Pferde.


Das ist ein Cliffhänger, was?





Über Essen: Liebe und Hass, Teil 1




Der Film: "Delicatessen" von Jean Pierre Jeunet, einer meiner absoluten Favoriten.

Ich bin ja mitunter heikel, was Essen angeht. Innereien, zum Beispiel, können mich nur eingeschränkt begeistern. Da ich andererseits ein grundsätzlich neugieriger Mensch bin, probiere ich aber neue oder ungewöhnliche meistens Nahrungsmittel aus. Dass ich Herz nicht mag, entschied ich, nachdem ich in einem japanischen Grillrestaurant ausgiebig auf einem herumgekaut hatte. Es schmeckte so lebendig.

Mein Sportlehrer in der Oberstufe (klein, untersetzt) war mit einer Brasilianerin verheiratet (klein, zierlich). Beide hatten eine Tochter, die (oh, Gene!) so winzig war, dass sie wie die Puppenversion eines Kleinkindes wirkte. Gelegentlich brachte der Sportlehrer seine winzige Tochter mit zum Unterricht und legte damit jede Aktivität im Kurs lahm. Riesige Basketballspieler beugten sich fasziniert über das winzige Mädchen, das seinen Kopf in den Nacken legte, um sie anzuschauen.
Bei einem der Male brachte er eine Tüte aus Brasilien stammende, geröstete und mit Schokolade überzogene Ameisen mit. Der Reiz war einfach zu groß, ich mußte sie probieren. Es hatte den Lehrer schon einige Überzeugungskraft gekostet, bis wir ihm glaubten, dass wir echte Ameisen vor uns hatten und keinen seltsamen Faschings-Scherz. Fast war ich enttäuscht: Die Ameisen schmeckten nach nicht viel, außer nach Schokolade. Ziemlich knusprig. Aber ansonsten unspektakulär.

Ganz anders sind meine Kindheitserinnerungen an meine Großeltern. Meine Oma kochte eigentlich nicht gern, und daher auch nicht besonders gut. Sie lag lieber auf dem Sofa, las kitschige Romane und aß Unmengen Mon Chérie, After eight und Ferrero Küsschen. Die Papierchen, in die die Süßigkeiten gewickelt waren, fanden wir noch Jahrzehnte später beim Saubermachen in den Sofaritzen.
Aus Kochunlust wärmte meine Oma also Dosengemüse auf und rührte dicke Saucen mit Fertigpulver an. Das alles konnte man wahrscheinlich unter "gut bürgerlich" verbuchen, es war eben nur sehr phantasielos. Einmal war meine Oma zutiefst beleidigt, als meine Mutter eine Knoblauchzehe in den Topf mit dem Sonntagsbraten schmuggelte und das Urteil meines Opas (auf den Tisch schlagend und mit vollem Mund) daraufhin lautete: "Mensch, Frau! Schmeckt mal gar nicht schlecht!". Seine Frau mit "Frau" anzusprechen entsprach dem Humor meines Opas.
Wenn meine Oma frische Zutaten verwendete, so kamen diese aus dem Schrebergarten meiner Großeltern. Oder vom Schlachter. Der Schlachter war nämlich ein Freund meines Opas. Da mein Opa in einem anderen Zeitalter, bevor ich geboren war, Elektriker gewesen war, half er dem Schlachter-Freund mitunter mit seiner Kühlanlage. Für die inoffiziell abgewickelten Dienste wurde mein Opa in Naturalien entlohnt, was hiess, dass er völlig absurde Mengen von Fleisch jeder erdenklichen Herkunft in rosa Papier eingeschlagen überreicht bekam.

Die Besonderheit für mich bestand darin, dass ich zu diesen Ausflügen in die Schlachterei mitkommen durfte. Der Betrieb befand sich auf einem ehemaligen Bauernhof, am Stadtrand von Lübeck gelegen, und gehörte einer Familie, deren Mitglieder von der Großmutter bis zum Enkel alle irgendwie mit in die Arbeit eingebunden waren. Die Familie war sehr stolz auf ihre Schlachterei und darauf, dass sie noch selber schlachteten und alle Erzeugnisse selbst herstellten. Im Hof befand sich ein ehemaliger Schweinestall, in dem die -nunmehr toten- Schweine zu Würstchen verarbeitet wurden. Ich fürchtete mich ein bisschen vor dem flachen dunklen Bau, in dem noch leerstehende Koben zu sehen waren, von deren Decke nackte blassrosa Schweinehälften hingen.

Offenbar wurde ein Teil des Schweinefleischs eingepökelt, denn ich kann mich an Wannen aus Weißblech erinnern, die die Salzlake und die Fleischstücke enthielten. Die Wannen waren so flach, dass auch ich mit meinen sechs Jahren hinein blicken konnte. Wie gebannt starrte ich herab auf das aufgequollene Fleisch, an dem ich noch leere Augenhöhlen und haarlose Schnauzen ausmachen konnte. Gesteigert wurde mein Grusel nur durch die Schlachterin selbst, die in einer weißen Gummischürze auf mich zu kam, um sich aus ehrfurchtgebietender Größe zu mir herab zu beugen. Ihre von der Lake krebsroten Hände steckten in Gummihandschuhen, und mit der Rechten hielt sie mir ein gepökeltes Schweineohr entgegen: rosa-weißlich lappte es zwischen ihren Fingern und glänzte noch feucht.
Mit dröhnender Stimme pries sie mir diese besondere Delikatesse an, eine Ehre für mich, die ich nur geniessen durfte, da ich so einen hilfsbereiten Großvater hatte. Nie habe ich die Freundschaft meines Opas mit dem Schlachter mehr verwünscht. Ich glaube, ich bin einfach zur Salzsäule erstarrt, passender Weise.

Im nächsten Kapitel: Pferde.


Das ist ein Cliffhanger, was?

8. August 2010

Was ist romantisch? Zwei Filme

Was "The Piano" 1993 von Jane Campion für die neunziger war, war "Die wunderbare Welt der Amélie", 2001, von Jean-Pierre Jeunet für die 00er Jahre.

4. August 2010

Elf Monate

... fast ein Jahr ist vorbei, dann kann man ja auch mal wieder was schreiben. Nicht zuletzt deshalb, weil es zu lang ist, um es bei Twitter unterzubringen, und kurz genug, um mich nicht vom Schreiben abzuschrecken.

Im Moment ist mein Leben sehr schwierig, es läuft viel schief. Liebeskummer, mein Job urplötzlich weg, Geldprobleme mit fürchterlich überzogenem Konto sowieso. Ich weiß nicht, wie es nach meinem Abschluss weitergehen wird: Werde ich das Promotionsstipendium bekommen? Was für eine Zensur werde ich überhaupt für die Abschlussarbeit bekommen? Und die Prüfungen? Der Liebeskummer begleitet mich als ein permanentes Grundgefühl, wie eine Verkörperung all dessen, was mich zusätzlich belastet und traurig macht, wobei die Geldprobleme natürlich am existenziellsten sind.

Also eilte ich heute kurz vor der Schliessung in die Bibliothek, um mir einen Film auszuleihen, der mich etwas aufmuntern und ablenken könnte. Hektisch zog ich DVDs aus den Regalen, auf der Suche nach einem Film mit Untertiteln. Letzten Endes orientierte ich mich an den Abbildungen auf den Hüllen, es musste schnell gehen: Ein französischer Film, vorne eine dunkelhaarige Frau mit ernstem Gesicht abgebildet. Gut, dachte ich, bloss nicht zu lustig. Der zweite Film russisch, eine Entwicklungsgeschichte, offenbar auch eher ernst.

Ich ging zum Ausgang und erst in der U-Bahn sah ich mir die DVDs genauer an, der Titel des französischen Films:

J'ai horreur de l'amour.

Hm. Manchmal sendet mein Unterbewußtsein mir sehr eindeutige Botschaften.

Elf Monate

... fast ein Jahr ist vorbei, dann kann man ja auch mal wieder was schreiben. Nicht zuletzt deshalb, weil es zu lang ist, um es bei Twitter unterzubringen, und kurz genug, um mich nicht vom Schreiben abzuschrecken.

Im Moment ist mein Leben sehr schwierig, es läuft viel schief. Liebeskummer, mein Job urplötzlich weg, Geldprobleme mit fürchterlich überzogenem Konto sowieso. Ich weiß nicht, wie es nach meinem Abschluss weitergehen wird: Werde ich das Promotionsstipendium bekommen? Was für eine Zensur werde ich überhaupt für die Abschlussarbeit bekommen? Und die Prüfungen? Der Liebeskummer begleitet mich als ein permanentes Grundgefühl, wie eine Verkörperung all dessen, was mich zusätzlich belastet und traurig macht, wobei die Geldprobleme natürlich am existenziellsten sind.

Also eilte ich heute kurz vor der Schliessung in die Bibliothek, um mir einen Film auszuleihen, der mich etwas aufmuntern und ablenken könnte. Hektisch zog ich DVDs aus den Regalen, auf der Suche nach einem Film mit Untertiteln. Letzten Endes orientierte ich mich an den Abbildungen auf den Hüllen, es musste schnell gehen: Ein französischer Film, vorne eine dunkelhaarige Frau mit ernstem Gesicht abgebildet. Gut, dachte ich, bloss nicht zu lustig. Der zweite Film russisch, eine Entwicklungsgeschichte, offenbar auch eher ernst.

Ich ging zum Ausgang und erst in der U-Bahn sah ich mir die DVDs genauer an, der Titel des französischen Films:
J'ai peur de l'amour.

Hm. Manchmal sendet mein Unterbewußtsein mir sehr eindeutige Botschaften.

4. September 2009

Die Bullerbü-Psychose

weitere Fotos von FrauFeli

Da meine Cousine mir soeben eröffnet hat, dass sie mit dem Gedanken spielt, selbst ein Blog zu schreiben, fühle ich mich hiermit zu einem neuen Eintrag inspiriert.

Wir sind schon seit unserer Kindheit befreundet und blicken daher auf eine Vielzahl erfreulicher (für uns) und unerfreulicher (für unsere Umwelt) Erfahrungen zurück. Wir sind, trotz großem geographischem Abstand, in ähnlichen Umfeldern aufgewachsen und haben häufig ähnliche Sorgen, meistens finanzieller Natur.

In unserer heutigen Unterhaltung kamen wir zu dem Schluss, dass wir unter einem schweren, wenn nicht sogar genetischen, dann auf jeden Fall seelischen Schaden leiden, der uns glauben macht, unser Leben sei nur dann perfekt, wenn es näherungsweise dem Universum des inoffiziellen Familienidols Astrid Lindgren gleiche. Zwar nahm unsere Unterhaltung einen kurzen Umweg über das Armenhaus in "Michel aus Lönneberga" (eine Schilderung, die uns heute noch zu Tränen rührt, wie wir feststellen mußten), doch waren wir uns einig, dass wir als Kinder ein Ideal eingeimpft bekamen, dass uns bis auf den heutigen Tag anhängt.

Gefühlt wohnen wir in farbig gestrichenen Holzhäusern mit Lochstickerei-Gardinen und Veranden, auf denen der blinde Großvater im Schaukelstuhl vor sich hin sinnt. (Was ja an sich schon mal zwei identische Großväter erfordert.)

Im Sommer würden wir angeln (in der Hoffnung, nichts zu fangen, da sich sonst das Problem des Fische-vom-Leben-in-den-Tod-beförderns stellen würde) oder wir jagten Onkel Einar, der Katzen Büchsen an den Schwanz bindet (Kalle Blomquist) und fürchteten uns vor Gespenstern im Waschhaus (Madita). Wie man sieht, basiert der vorhergehende Absatz auf der Annahme, dass wir selber uns noch im Kindesalter befänden. Da dies aber, äh, schon seit längerem nicht mehr der Fall ist, sollten wir das Szenario entsprechend anpassen:

Wir wären also die Muttis des Bullerbü-Kosmos (aufgrund eines kleinen Irrtums hätte ich beinahe Labyrinth geschrieben..), und würden weiße Schürzen über den gestreiften Kleidern tragen und den ganzen Tag singen. Wir würden für jeden ein gutes Wort haben und wenn wir nicht gerade Marmelade einkochen oder Fleischklösschen braten (Karlsson vom Dach), dann verarzten wir aufgeschlagene Knie und basteln mit allen Kindern zusammen am Küchentisch.

Und Weihnachten, oh, Weihnachten (typische Lindgren-Formulierung), das wäre die großartigste Zeit im Jahr. Wir stünden fast ununterbrochen in der Küche um dort die wunderbarsten Pfefferkuchen, Gans mit glasierten Kartoffeln und Reispudding in dem eine Mandel versteckt ist (Weihnachten auf Bullerbü)zuzubereiten. Und dann würden wir alle zusammen um den riesigen Christbaum tanzen.

Wir könnnten einige der heutigen Annehmlichkeiten, wie Waschmaschine und Zentralheizung geniessen und natürlich müssten die Papas sich beteiligen an den Aufgaben. Und ausserdem hätten wir eine Arbeitsstelle in der Stadt, und es gäbe wohl auch ein Auto. Natürlich auch völlig ungedenk der Tatsache, dass zumindest ich bis jetzt weder Ehemann noch Kinder vorweisen kann und ich mich also vorläufig auf den Bau und das Einrichten des kleinen blauen Hauses konzentrieren könnte (da die Möbel zu einem nicht unwesentlichen Teil aus einem großen schwedischen Möbelhaus stammen würden, wäre ich damit auch einige Zeit beschäftigt).

Die Schöpferin dieser magischen Erzählungen hatte genauso eine Büroarbeit in der Stadt und eine kleine Wohnung und einen viel prosaischeren Alltag als man vermuten möchte.

Dies alles umfasst unsere Bullerbü-Psychose, deren Problem in der Diskrepanz zwischen dem angelesenen (bzw. an-vorgelesen-bekommenen) Ideal und der rauhen Wirklichkeit einer vollen U-Bahn nachmittags um sechs liegt. Unser ganzes bisheriges Leben und auch unser ganzes zukünftiges werden wir beschäftigt sein, diese Psychose in unser Ich zu integrieren, diese Abwesenheit von weißen Holzveranden in unserem Leben. Was hätten wir ohne die Bücher von Astrid Lindgren gemacht? Wahrscheinlich wären wir heute Drogensüchtig und/oder Terroristen geworden. Oder wir hätten eine andere Psychose entwickelt.

Allerdings fällt mir dazu auch eine Passage aus den Lebenserinnungen Astrid Lindgrens, "Das entschwundene Land" ein, in der die Autorin die Liebesgeschichte ihrer Eltern beschreibt. Sinngemäß sagt sie, dass sie nur eine so wunderbare Kindheit haben konnte, weil ihre Eltern eine so positive Haltung zum Leben verkörpert haben und diese den Kindern mit auf den Weg gegeben haben.

Astrid Lindgren selber hatte kein sehr einfaches Leben, und ich glaube, das wirklich bewundernswerte ist, durch Hochs und Tiefs diese positive Grundhaltung immer wieder aufzunehmen, auch wenn sie zeitweise verloren gehen mag.

Die Bullerbü-Psychose

Da meine Cousine mir soeben eröffnet hat, dass sie mit dem Gedanken spielt, selbst ein Blog zu schreiben, fühle ich mich hiermit zu einem neuen Eintrag inspiriert.

3. August 2009

Komisch, so warm hier

weitere Fotos von FrauFeli

 

Nur um mal was gesagt zu haben: Schön hier. Viel zu tun. Es ist laut, meistens. Von irgendwoher.

Die Vampire wohnen immer noch bei mir und werden auch das kommende halbe Jahr noch bleiben.

Unbedingt probieren: Zitroneneis mit frischer Minze. Der Kuchen bei der Brezel Company, Lenaustr. 10.

Schönen Sommer noch.

5. April 2009

Menschen in Neukölln Teil 15 (fast) (also fast in Neukölln, mein ich)

Neulich in der U-Bahn hörte ich, wie sich zwei Frauen unterhielten. Über die X, die jetzt ja auch schwanger sei.

Frau 1: Also, ein bisschen gewundert hab ich mich ja schon.

Frau 2: ?

Frau 1: Weil die X mich fragte, ob ich ihr beim Schuhe zubinden helfen könnte. Sie hätte solche Mühe damit, jetzt, wo sie schwanger ist.

Frau 2: ??

Frau 1: Na, man sieht ihren Bauch ja noch nicht mal.


Ich: (schnell aussteigen, draussen weiterlachen)

15. März 2009

Schon wieder im Café


Café II (Catherine's) from Frau Feli on Vimeo.


Endlich mal wieder ein Eintrag, und gleich mal wieder mein Blick in ein Café. Ich habe nicht meine Lieblingsorte ausgewählt, sondern mich einfach danach gerichtet, wo ich mit wenig Aufwand meine gewünschte Perspektive aufnehmen konnte: Linear, den Blick geradeaus auf den Raum gerichtet. Und diesmal auch ein bisschen länger, und mit -immerhin- fast dem ganzen Musikstück. Ähem. Ich mußte leider zum Schluss was rausschneiden, weil sich zwei Frauen ins Bild setzten, und die waren dann im Weg.

Mir gefällt das Ergebnis, weil ich in Kombination mit der lebhaften Musik an eine Puppentheateraufführung denken mußte, die ich als Kind gesehen habe. Große Holzpuppen, jede fest auf einem Wägelchen mit Rädern installiert, wurden mittels quer gespannten Schnüren auf der Bühne bewegt. Die Arme der Puppen konnten zum Gestikulieren auf und ab bewegt werden, und aus dem Off sprachen Schauspieler die Dialoge.
Insgesamt ein sehr surrealer und fremder Effekt, verstärkt durch das rumpelnde
Geräusch der Räder auf der Bühne.